In Geld zu schwimmen ist für die meisten Bürger ein Wunschtraum. Doch für Zentralbanker ist eine Geldschwemme geradezu ein Albtraum.

Wenn zu viel Geld in der Volkswirtschaft umläuft, wächst das Risiko von Fehlentwicklungen, allen voran die Gefahr der Inflation. In dem Maße, in dem die Geldmenge nicht mehr von der gesamtwirtschaftlichen Leistung gedeckt wird, schwindet der Wert des Geldes. Dann drohen Wachstums- und Arbeitsplatzverluste. Aber auch zu wenig Geld ist von Nachteil: Zu knappe Zahlungsmittel behindern das Wachstum der Wirtschaft.

Nach dem Vertrag von Maastricht ist es die vorrangige Pflicht der Europäischen Zentralbank (EZB), die Preisstabilität in Euroland zu sichern.

Diesem Auftrag soll der jüngste Beschluss des EZB-Rats dienen, nach dem die Geldmenge in der Eurozone im nächsten Jahr um 4,5 Prozent wachsen soll - die Währungshüter hielten einfach an dem Referenzwert der vergangenen beiden Jahre fest.

Damit haben sich die stabilitätspolitischen Falken unter den europäischen Zentralbankern durchgesetzt. Es hätte gute Gründe dafür gegeben, die Zuwachsrate der Geldmenge höher anzusetzen, um der Wirtschaft mehr Wachstumsspielraum zu geben. Denn für die Eurozone wird ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von 2 3/4 Prozent und eine - als unvermeidlich angesehene - Inflationsrate von 1 1/2 Prozent prognostiziert.

Hinzu kommt, dass seit Jahren die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes abnimmt

dieser Rückgang muss durch eine entsprechend höhere Geldmenge ausgeglichen werden. Deshalb hatte die Deutsche Bundesbank fünf Prozent als neuen Referenzwert für das Geldmengenwachstum gefordert. Die Preisstabilität wäre dadurch keineswegs gefährdet worden.