Im östlichen Treppenaufgang des Hauses der Kunst gibt es Stufen aus dunkelrotem Marmor und ein goldglänzendes Geländer aus Messing: ein zu großartiges Entree für den bescheidenen Ausstellungsraum auf der Galerie.

Trotzdem hat Leni Hoffmann diesen Durchgangsort für eines ihrer großen Felder aus leuchtend farbiger Knetmasse gewählt. Sie spielt mit dem "peripheren" Blick der Passanten. Tagelang steht sie auf dem Gerüst und presst die angewärmte Knetmasse mit dem Daumen an die Wand. Durch den Druck und die leichte Drehung entsteht eine der Rocaille aus dem Rokoko vergleichbare Rosettenform, in der sich das Licht bricht. In der deutschen Kunstszene ist sie die derzeit erfolgreichste Handarbeiterin und hat für die Ausstellung Hand-Arbeit im Münchner Haus der Kunst (bis 18. März, Katalog 39 Mark) einen vielversprechenden Auftakt geschaffen. Die von der Kuratorin Stephanie Rosenthal vorgestellten Künstler nutzen unterschiedliche Techniken. Peter Rösel macht raumgreifende, transportable Objekte aus genähten Stoffteilen.

Spannung erzeugt er, indem er seine Stoffe im Widerspruch zum gewählten Gegenstand einsetzt: Aus Uniformen entstehen Topfpflanzen. Jochen Flinzer meidet inhaltliche Festlegungen. Er bestickt Materialien wie Landkarten oder Magazinseiten nach willkürlich gesetzten Regeln. Charles Long fordert die Besucher mit Buchstabenstempeln aus Ton zur kreativen Selbstverwirklichung auf. Wirklich spannend aber wird die Ausstellung erst wieder mit Senta Connert, die mithilfe der Webtechnik "Millimeterpapier" anfertigt. Die Sinnlichkeit der Handarbeit wird bei ihr wie bei Hoffmann von einer Idee geleitet, durch ein Konzept strukturiert. So hat sie auf einem Arbeitswagen zugeschnittene Teile aus der Hemdenfabrik wie ein minimalistisches Skulpturenensemble angeordnet. Das ist nicht nur schön, sondern verleitet zum Anfassen, was aber verboten ist. "Die Berührung bleibt dem Licht vorbehalten", sagt Hoffmann.