Es war nicht der Sommer unseres Missvergnügens, kein Jahr des Niedergangs (sieht man von den Rindfleischpreisen ab). Eher ein Aufschwung. Man kann es an den Sternen abzählen, die der Guide Michelin jährlich an die besten Restaurants vergibt.

In der soeben erschienenen Ausgabe 2001 ist über dem fünften deutschen Restaurant ein dritter Stern aufgegangen. Die höchste Auszeichnung, die der Guide zu vergeben hat, ziert jetzt die Residenz Heinz Winkler in Aschau/Oberbayern. Winkler hatte schon einmal drei Sterne, als er Witzigmann im Münchner Tantris ablöste, und nahm die auch mit, als er in Aschau sein heutiges Gourmethotel eröffnete. Dass er dann einige Jahre mit zwei Sternen auskommen musste, hat ihm weniger geschadet als dem Renommee des roten Guide.

Denn Winkler war immer der Klassenprimus unter den Küchenchefs unserer Gastronomie. Er macht weniger Fehler als andere, hat mehr Ideen, weiß um das Geheimnis des perfekten Würzens und langweilt nie. (Langeweile gehört zu den häufigsten Sünden der Spitzenköche. Man glaubt ja nicht, wie der Dreiklang von perfekter Technik, betonter Originalität und modischen Kostbarkeiten zur puren Langeweile geraten kann!) Wer in Aschau isst, hat zur Kochkunst den direktesten Zugang gefunden - und ein außerordentlich komfortables Hotel dazu.

Die Anziehungskraft unserer neuen Hauptstadt auf ehrgeizige Köche spiegelt sich in insgesamt neun Michelin-Sternen wider, die Berlins Restaurants zieren, mehr als eine andere deutsche Stadt aufweisen kann. So muss es auch sein, wenn der schrille Berlin-Rummel sich nicht als Hysterie erweisen soll.

Neun besternte Adressen sind nicht gerade viel, wenn man es mit Paris vergleicht (87 Sterne) oder Brüssel (19 Sterne). Vor allem handelt es sich in Berlin ausschließlich um Restaurants mit einem Stern. Große Küchen mit zwei oder drei Sternen hat der Guide Michelin an der Spree noch nicht entdeckt.

Werden aber noch kommen. Warten wir mal die nächsten Jahre ab! Neu unter den besternten Adressen sind das Margaux und das Portalis.

Ein einziges neues 2-Sterne-Restaurant in Deutschland ist zu vermelden. Es liegt, nicht überraschend, in Nordrhein-Westfalen, nämlich in Bad Oeynhausen und heißt Die Windmühle. Das Land an Rhein und Ruhr, in dem ich die schlechtesten Mahlzeiten meines Lebens herunterwürgen musste, hat sich zu Deutschlands erster Feinschmeckerregion gemausert. Zumindest was die Gastronomie angeht, haben sie dort einen würdigen Ersatz für die imposanten Schlote gefunden. Glück auf!