Mit einem Mal sieht die Welt anders aus. Die holländischen Tulpen kommen aus Persien

Fernando (Bruno Ganz), der venezianische Kellner, stammt aus Island.

All das erfährt die Hausfrau Rosalba (Licia Maglietta) nur, weil sie an einer Raststätte den Bus ihrer Reisegruppe verpasst hat. Weil ihr Mann und ihre zwei Söhne sie nicht mal vermisst haben. Und weil sie dann nach Venedig getrampt ist. Eine kurze Auszeit soll es werden, ein Solotrip nach 18 Jahren Ehe. Aber dann wird es ein neues Leben. Pane e Tulipani, Brot und Tulpen, von Silvio Soldini erzählt diese alte Geschichte beschwingt und romantisch.

Rosalba entdeckt ein Venedig ohne Touristen, findet eine Freundin (Marina Massironi) und eine Stelle im Blumenladen. Und Fernando, der in poetischen Wendungen spricht und überhaupt so wirkt, als sei er aus fernen Gärten auf die Erde gefallen. Woher sonst sollte er wissen, dass Tulpen das Symbol der Liebe waren, damals, im mittelalterlichen Persien? Er zeigt Rosalba, was sie nicht kennt: Achtsamkeit

sie gibt ihm wieder, was er verlor: Lebensfreude.

Gleichwohl kehrt sie zur Familie zurück. Doch da ihr Mann zu jener Sorte gehört, die ihre Frau mit einem Kochtopf verwechseln, kann das nicht alles sein ... Wenn auch Soldinis Versuch, Italienklischees ironisch zu brechen, zuweilen grad ins Gegenteil kippt - das vorzügliche Spiel der Darsteller gleicht diese Schwäche wieder aus. Und sorgt dafür, dass selbst ein trüber Wintertag auf einmal anders aussieht.