So schließt sich der Kreis. Ausgerechnet der gewerkschaftsnahe Teil der SPD-Fraktion, der einst lautstark gegen die Pläne von Norbert Blüm zu Felde zog, hat nun die Rentenreform des eigenen Arbeitsministers gekippt. Zugunsten eines Modells, das den Ideen des Vorgängers sehr nahe kommt. Nach zwei Jahren aufgeregter Suche sind Sozialdemokraten und Gewerkschaften also ungefähr da angekommen, wo die Kohl-Regierung aufgehört hat.

Arbeitsminister Walter Riester präsentierte noch vor wenigen Tage Plakate mit dem Slogan "Über die Rente wurde lange geredet. Jetzt wird gehandelt" - um dann seine Pläne erneut zu revidieren. Und die Union will das neue Rentenkonzept nicht akzeptieren, obwohl es entweder Vorlagen ihrer eigenen Regierungszeit entspricht (Rentenformel) oder ihren Forderungen aus den Rentenkonsensverhandlungen der ersten Jahreshälfte (private Altersvorsorge).

Wer soll das alles noch verstehen? Wäre das Thema nicht so wichtig, könnte man sich über das jüngste Berliner Rentenchaos bestens amüsieren.

Wer sich dennoch ernsthaft mit dem derzeit aktuellen Regierungskonzept beschäftigt, erkennt schnell erhebliche Verbesserungen. Das neue Rentenmodell, das auf einen Vorschlag des Verbands Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) zurückgeht, verteilt die Lasten des demografischen Wandels auf mehr Schultern.

Das ist gut so. Zahlreiche Experten hatten bei einer dreitägigen Anhörung in der vergangenen Woche genau das angemahnt. Riesters bisherige Pläne, so ihr Argument, benachteiligten die Generation der heutigen und künftigen Berufstätigen.

Denn der so genannte Ausgleichsfaktor, das Herzstück des bisherigen Riester-Konzepts, sollte vom Jahr 2011 an die Bezüge für alle Neurentner jährlich um 0,3 Prozent verringern. Das Rentenniveau wäre allmählich von heute 70 Prozent der Nettolöhne auf 64 Prozent im Jahr 2030 gesunken.

Gewerkschaften halten sogar diese Zahlen noch für Schönfärberei, weil demnächst die private Altersvorsorge pauschal vom Nettolohn abgezogen wird, der wiederum die Höhe der Rente bestimmt.