Der Kater am Tag danach war schlimm, aber der Aktienkurs legte um eineinhalb Prozent zu. 250 Mitarbeiter einer internationalen Großbank hatten in der Frankfurter Schirn Weihnachten gefeiert, bis morgens um fünf. Herausgerissene Steckdosen und vandalisierte Toiletten zeugten von Wahnsinnsstimmung, ein bombiges Betriebsklima ist gut für den Geschäftserfolg.

Alle Jahre wieder Mitte Dezember scharen sich in deutschen Firmen die Mitarbeiter um Tannenbaum und Chef, um - ja, was eigentlich zu tun?

Systematische Erkenntnisse darüber verdanken wir dem Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In einem bahnbrechenden Beitrag machte die FAZ 1995 darauf aufmerksam, dass Betriebsfeste im Allgemeinen und Weihnachtsfeiern im Besonderen zum sozialen Brauchtum gehören, das anzutasten schwer fällt. Die Belegschaft soll bei diesen Veranstaltungen vom Arbeitsalltag abschalten, sich erholen und soziale Kontakte über die Grenzen der eigenen Abteilung aufnehmen können.

Manchmal beginnt die Vorbereitung im Frühjahr

Doch diese Einsicht ist leider ziemlich überholt. Längst hat sich dem Primat der Ökonomie auch die Weihnachtsfeier in der Firma unterworfen. Immer weniger Unternehmen feiern nach dem Modell Novembererwachen (O je, in vier Wochen ist Weihnachten: Wer organisiert ein Lokal? Wer feiert mit? Grünkohl? Kann man die Rede des Chefs verhindern? Was zahlt die Firma zu?). In einer wachsenden Zahl von Betrieben ist die Weihnachtsfeier zum monatelang vorbereiteten Goodwill-Event geworden.

Schon im Frühjahr hatte Elke Hogrefe begonnen, die Location zu suchen, im August endlich hatte sie die richtige. Die 450 Mitarbeiter der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt haben in diesem Jahr in einer riesigen Scheune gefeiert, deren Gebälk das Innere des Trojanischen Pferdes repräsentieren sollte - das hölzerne Tier ist das Firmenemblem. Wie jedes Jahr war der Plan für die Fete top secret. Freitagnachmittag war zeitig Büroschluss, damit die Kolleginnen - bei JvM herrscht Frauenüberschuss - sich aufbrezeln konnten. Um 18 Uhr ging es in Bussen zu dem geheimen Ort in der Nähe von Hamburg.

Wie in jedem Jahr war die Weihnachtsfeier Chefsache - nur dass die beiden Chefs Holger Jung und Jean-Remy von Matt sich diesmal selber überraschen lassen wollten und die Planung an ihre Assistentin delegierten. Und die beiden zu überraschen, sagt die Festbeauftragte, das ist schon ziemlich schwer. Ihr Leitz-Ordner Weihnachtsfeier ist prall gefüllt und zeugt vom organisatorischen Aufwand, den die Werbeagentur für ihre Fete treibt.