Champagner, Parfüm, Designerkleidung - beim Blick auf den weihnachtlichen Gabentisch bekommen nicht nur die Beschenkten strahlende Augen. Auch für die Verkäufer von Luxusartikeln ist das Fest die schönste Jahreszeit. Einer der größten Händler exquisiter Waren ist der französische Konzern Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH). Allein in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres hat das Unternehmen, zu dem unter anderem die Cognac-Marke Hennessy, das Modehaus Kenzo und die Parfümserie Givenchi gehören, knapp acht Milliarden Euro umgesetzt. Das ist rund ein Drittel mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Verantwortlich für den steilen Aufwärtstrend ist vor allem LVMH-Chef Bernard Arnault mit seiner Expansionsstrategie. Begonnen hat Arnaults Jagd auf Edelmarken Mitte der achtziger Jahre. Damals suchte die französische Regierung einen Investor für die marode staatliche Textilfirma Boussac, und Arnault war zur Stelle. Dabei hatte er es aber weniger auf Boussac abgesehen als auf das zu der Firma gehörende Designerhaus Christian Dior. Mit Dior legte der gelernte Ingenieur den Grundstein für sein Luxusimperium. Als ihn dann Miteigentümer von Louis Vuitton in den Eignerkreis ihrer Firma aufnahmen, nutzte Arnault seine Chance und entriss den Familienaktionären das Unternehmen. Auf ähnliche Art sicherte er sich den Spirituosenproduzenten Moët Hennessy. In Sachen Wachstum hat Arnault die Konkurrenz inzwischen weit hinter sich gelassen. Allein in diesem Jahr schluckte der LVMH-Konzern zehn Unternehmen.

Das exzessive Wachstum konnte die Börse jedoch nicht beeindrucken. Seit Juli verlor die LVMH-Aktie etwa ein Drittel ihres Wertes. "Der gesamte Luxusgütersektor ist unter Druck geraten", sagt Jacques-Franck Dossin, Analyst des US-Investmenthauses Goldman Sachs. Grund dafür sei unter anderem die nachlassende Konjunktur in den Vereinigten Staaten. Auch die erwartete Aufwertung des Euro belaste die Branche, weil damit europäische Edelmarken für Ausländer wieder teurer werden. "In Zukunft wird der Kampf um die Kunden härter", prophezeit auch Christian Bruns, Experte der DG Bank. Um weiter zu wachsen und die Produktpaletten zu erweitern, böten die Großen der Branche für die Übernahme kleiner Konkurrenten immer höhere Preise. "Das könnte sich in Zukunft negativ auf die Kurse von Luxusaktien auswirken", fürchtet Bruns.

Die LVMH-Aktie drückt noch ein weiteres Problem. Seit Jahren verfolgt der Konzern das Ziel, über eigene Ladenketten in Europa und den Vereinigten Staaten Parfüm und Kosmetikartikel zu verkaufen. Das hilft zwar bei der Pflege der Markennamen, drückt aber den Profit. "Vor allem die Investitionen in das Vertriebsnetz in den USA werden den Gewinn von LVMH kurzfristig belasten", glaubt Analyst Dossin. Deshalb hat er die Aktie aus seiner Liste der drei besten Luxuswerte herausgenommen. Seine Favoriten sind nun Gucci, Bulgari und Luxottica. Mittelfristig, also in den kommenden ein bis drei Jahren, werde die LVMH-Aktie aber wieder steigen, meint Dossin. Sein Kollege Bruns hält den Titel angesichts ihres einzigartigen Markenpotenzials bei Luxusartikeln derzeit für fair bewertet. Seiner Meinung nach könnte der Kurs in den kommenden sechs Monaten um rund fünf Prozent steigen. Birga Böcker