Erinnern Sie sich noch an die Zukunft? Oder, besser gesagt, daran, was uns kluge Leute wie der ehemalige Wirtschaftsminister Günter Rexrodt davon erzählt haben? Beispielsweise, dass es bald vorbei sei mit den Staus auf unseren Straßen, die uns jeden Tag wertvolle Stunden wegfressen und - genauso schlimm - die Umwelt entsetzlich verpesten. Das bloß, weil wir uns wie Lemminge benehmen: morgens alle gleichzeitig mit dem Auto hin zur Arbeit, abends alle gleichzeitig zurück. Ganz wie in der industriellen Steinzeit. Nur dass die Leute da wenigstens noch zu Fuß gegangen sind. Da war das mit den Staus und mit der Umweltverschmutzung nicht so schlimm. Außerdem war der tägliche Fackelzug in die Fabriken ja auch noch neu, richtig modern.

Jahrtausendelang hatten die Leute zu Hause gearbeitet. Und was hat das gebracht? Jeder hat nur so vor sich hin gemurkelt, keine Innovation, keine Spur von Effizienz, kein Garnichts. Nur viel Hunger. Ein grausames Leben - ohne Computer, ohne Handys, ohne Festnetztelefone. Dass das so nicht weitergehen konnte, war klar. Zum Glück ist jetzt alles anders. Und deshalb, so haben die klugen Leute versprochen, könnten immer mehr von uns wieder den ganzen Tag zu Hause in unseren eigenen, schönen vier Wänden arbeiten. Statt in trostlosen Büros, in denen man sich immer irgendwie fremd fühlt - dagegen kommt man auch mit Grünpflanzen und Bildern von der Familie nicht wirklich an. Und schließlich sei es nur ein Klacks, die Computer und Laptops in Hinterposemuckel mit denen in Hamburg zu verbinden. Was das für einen Kreativitätsschub für die deutsche Wirtschaft bringe, haben sie geschwärmt. Ganz zu schweigen von den leeren Straßen und der guten Luft.

Was haben wir uns darauf gefreut. Und auf das Jahr 2000 gewartet. Denn da sollte schon für zig Millionen von uns der Traum Wirklichkeit sein. Und was ist? Aus der Traum. Noch bevor er richtig angefangen hat.

Schuld sind wieder einmal die Amerikaner. Die waren es doch, die unsere klugen Leute überhaupt erst auf die Idee gebracht haben, dass wir zu Hause viel besser arbeiten könnten. Das haben die dann unseren Chefs erzählt und gesagt, das hätten die Amerikaner herausgefunden. Amerikanern glauben unsere Chefs alles. Auf uns hören die ja nicht.

Genau da liegt jetzt das Problem. Die Amis haben nämlich ihre Meinung geändert. Von wegen Kreativitätsschub, Ideenreichtum und so bei den Telearbeitern. Tatsächlich seien diese weniger erfindungsreich und obendrein unflexibler als jene, die brav jeden Tag ins Büro fahren, haben jetzt US-Bosse in einer Umfrage von CareerEngine.com geklagt. Und angekündigt, dass künftig nur noch ausgesuchte Spezialisten zu Hause arbeiten dürfen - moderne Netztechnik hin oder her.