Schreib das doch mal, hat ein Kollege gesagt. Weiß doch keiner, wie das so ist, mit Wohnwagen. Noch dazu im Winter. Gelächelt hat er dabei. Und sich wahrscheinlich vorgestellt, wie ich in der Trainingshose auf dem Klappstuhl sitze, Pudelmütze auf dem Kopf, Decke über den Knien. Hinter mir der Knaus, sieben Meter lang, 2,50 Meter breit. Vor mir eine Dose Bier. Weiß man doch, Camper sitzen immer draußen und tragen Trainingshosen. "Wir haben da ein Imageproblem", räumt selbst Hans-Jürgen Burkert ein. Der ist immerhin Präsident des Verbandes Deutscher Wohnwagen-Hersteller.

Is' wegen der Kinder, sage ich. Kinder lieben Camping. Weil sie nichts mehr hassen als Hotelzimmer, wo ihnen das Zimmermädchen immer die Legosteine wegfeudelt. Und die schicke Finca im Hinterland? Die hassen sie ebenfalls. Weil es ihnen nämlich furchtbar egal ist, ob abends die Sonne hinter den Olivenhainen verglüht oder hinter einem kastenförmigen Doppelachser von Eifelland in Weiß und Türkis. Den Unterschied sehen sie gar nicht. Stattdessen fragen sie nur: Was soll ich'n hier machen? Und spätestens dann würden auch Sie die Finca hassen. Und bereit sein für den Campingplatz. Da gibt es keine Zimmermädchen, da gibt es nicht einmal Zimmer. Wenn sie Glück haben, gibt es Olivenbäume oder wenigstens mannshohe Büsche. Sollten Sie drauf achten, weil Sie sonst nämlich das Gefühl haben, auf einem Parkplatz Urlaub zu machen. Den Kindern wird das nicht weiter auffallen. Die sind sowieso den ganzen Tag weg. Genau das ist nämlich der große Vorteil von Campingplätzen: Kinder gibt es dort in der Regel in rauen Mengen. Und vom ersten Tag an haben sie kaum noch Zeit für ihre Eltern.

Wussten Sie eigentlich, dass Goethe auch mit dem Wohnwagen verreist ist? Doch, doch, 1792 nach Valmy. Goethe selbst hat seinem Eckermann zwar vorgemacht, er habe dort die Nächte in einem unbequemen Zelt auf dem Boden verbracht. Aber in Wirklichkeit, behaupten Augenzeugen, habe er sich zur Schlafenszeit in einen mit Pferden bespannten Wohnwagen zurückgezogen, ausgestattet mit Diwan, Schreibtisch und Waschlavoir in Porzellan. Warum Goethe das nicht zugegeben hat? Wahrscheinlich fürchtete er um seinen Ruf, wenn sich die Leute ihn in Trainingshosen auf einem Klappstuhl vorstellten. Wer weiß, hätte der Meister mehr Bekennermut gehabt, der Wohnwagen wäre womöglich fester Bestandteil der deutschen Klassik geworden.

Harzfleck auf dem Dach? Waschbenzin hilft

Warum zum Teufel sollte man aber ausgerechnet im Winter Urlaub auf dem Campingplatz verbringen? Weil die Leute zwar gern behaupten, dass Camping viel billiger sei als jede andere Form des Urlaubs, das aber nur die halbe Wahrheit ist. Ich weiß, die Zusammenhänge sind ein wenig kompliziert. Und im Prinzip stimmt es schon: Camping ist preiswert. Wir waren mal mit dem Zelt in Dänemark, zwei Erwachsene, zwei Kinder. Das war so billig, wie es eben in einem Land überhaupt nur billig sein kann, in dem ein einziger Hotdog sieben Mark kostet. 30, 40 Mark die Nacht, für vier Personen, wo hat man das sonst. Abgesehen davon: Seit Karl May das Lagerfeuer und den Wigwam in Deutschland eingeführt hat, ist Zelten sowieso die höchste Form des Campings.

Der Große, das ist jetzt zwei Jahre her, damals war er sieben, hat sich auch mächtig gefreut. Hat sich vorgestellt, wie wir abends Würstchen am Lagerfeuer braten. Und den Schlafsack bis über die Ohren ziehen. Zumindest das haben wir auch getan, das mit dem Schlafsack. Dabei war noch nicht einmal Winter, sondern Pfingsten. Pfingsten kann sehr kalt sein in Dänemark. Nicht so gut hat es mit dem Lagerfeuer geklappt, schon wegen des Regens.