Voigt: Guten Morgen Frau Nutz.

DLF: Herr Voigt, wie wirkt denn die Auswahl der Personen auf Sie?

Voigt: Also wir sind nicht Teil der inneramerikanischen Diskussion, sondern wir müssen das neue Kabinett sehen unter unserer deutschen und europäischen Interessenlage. Und zuerst einmal stimmt das mit dem Alter nicht ganz. Die Sicherheitsberaterin ist sehr jung. Dass die genannten Personen alle konservativ sind, das wusste man als Bush von den Wahlmännern gewählt worden war. Und das bedeutet, dass man nicht von vornherein von einer Identität der gesellschaftspolitischen Auffassung ausgehen kann. Aber das bedeutet nicht, dass man nicht nach wie vor davon ausgehen muss, dass in der Mehrzahl der außenpolitischen Themen Gemeinsamkeiten möglich sind. Es wird natürlich auch Interessenunterschiede geben.

DLF: Für die Außen- und Sicherheitspolitik stehen drei Namen. Das heißt - so sagt es zumindest die New York Times - den Schutzschild gegen nukleare Raketen zu errichten, werde ein Kernpunkt des sicherheitspolitischen Programms sein. Wie steht Europa dazu, wie steht die Bundesrepublik dazu? Was bedeutet das für die künftige Außenpolitik der USA?

Voigt: Zuerst einmal muss man nüchtern davon ausgehen, dass auch Gore für ein solches Raketenschutzschild war. Die Republikaner sind noch engagierter dafür. Uns interessiert vor allen Dingen, wie sich ein solches Konzept auf uns auswirkt und besonders, wie es sich auf die Beziehung zu Russland auswirkt. Man muss nun ganz erfreulich feststellen, dass die neue Administration, die sich in den USA abzeichnet, zwar nicht mit Begeisterung in Moskau aufgenommen wurde, aber dass Putin gesagt hat, er rechnet mit einer konstruktiven Beziehung mit den Amerikanern.

DLF: NMD muss man noch mal sagen: National Missile Defence.

Voigt: Das ist ein Punkt, wo die Europäer skeptisch sind und die Russen engagiert negativ sind. Und wenn die Russen sagen: Wir sind der Meinung, man kann mit den Amerikanern darüber reden. Es gibt da einen Auffassungsunterschied. Warum sollten wir hier pessimistischer sein als die Russen. Für uns ist wichtig, dass die Amerikaner und Russen hier ein Einvernehmen entweder explizit oder implizit erzielen, so dass es nicht zu Spannungen zwischen Russland und dem Westen in diesem Themenbereich kommt, wenn das die neue amerikanische Regierung schafft, wenn Putin dort zu Zugeständnissen bereit ist usw.