Die Geschichte begann in der Steinzeit des Mobile Commerce - also vor zwei Jahren. Ebenso lang währte die Erfolgsstory von CitiKey. Das Start-up-Unternehmen hatte seine große Geschäftschance im M-Commerce gesehen, dem elektronischen Handel mithilfe von Mobiltelefonen oder anderen mobilen Geräten. Die Kunden sollten unterwegs Konzert- und Kinokarten bestellen oder sich Stadtpläne auf ihrem Display anschauen. Zum Jahresende wird CitiKey endgültig schließen.

Für ihre Geschäftsidee hatten die Gründer 11,5 Millionen US-Dollar Risikokapital von drei der weltgrößten Investmentgesellschaften erhalten, von Crescendo Ventures, Atlas Venture und Kennet Capital. In neun europäischen Großstädten wurden Büros eröffnet. Die Umsatzprognose war mehr als ehrgeizig: 100 Millionen Dollar sollte das Unternehmen im Jahr 2002 erzielen. Von Stockholm über Berlin bis Mailand wurden Kunden bedient. Allerdings: Kaum jemand interessierte sich für CitiKey. Ende November erhielt die Firma eine Nominierung für die beste Wap-Anwendung des Jahres. Doch die Preisverleihung in Sevilla fand ohne die Vertreter von CitiKey statt. Einige Tage zuvor hatte die schwedische Mutterfirma Konkurs angemeldet.

So wie CitiKey geht es vielen Unternehmen, die sich im Geschäftsfeld M-Commerce tummeln. Auch der direkte Mitbewerber, das Infoportal Starwap, musste vor einigen Tagen einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München stellen. Das Unternehmen war erst im Januar gegründet worden. Dann platzte ein bereits zugesagter Überbrückungskredit. Dem Starwap-Vorstand blieb nichts übrig, als die allgemein schlechte Lage des Finanzmarkts und die unerwartet schleppende Entwicklung des mobilen Internet-Marktes für die Pleite verantwortlich zu machen.

Vor anderthalb Jahren wurden auf der Berliner Funkausstellung die ersten Handys vorgestellt, die den mobilen Zugang zum Internet auf Basis des Übertragungsprotokolls Wap (Wireless Application Protocol) ermöglichen - der Startschuss für zahlreiche M-Commerce-Gründungen in Deutschland. Manche Geschäftsideen sind clever, andere eher absurd. 12snap organisiert mobile Versteigerungen, flights.com verkauft Flugtickets. An die weibliche Kundschaft richtet sich das Angebot der Firma Zappybaby, die Frauen per Textbotschaft auf das Handy an ihre fruchtbaren Tage erinnert. Wer Wert auf Sauberkeit legt, informiert sich bei Woklo.de, dem mobilen Wap-Führer für öffentliche Toiletten im Ruhrgebiet. Ein Klick, und der geplagte Nutzer erfährt, wo sich die nächste (von den Anbietern persönlich getestete) öffentliche Toilette befindet.

Eines haben die jungen Firmen der mobilen Wirtschaft gemeinsam: Sie alle hoffen auf satte Gewinne in der Zukunft und kämpfen mit den Problemen der Gegenwart. Zu teuer, zu umständlich und vor allem zu langsam.

Von den Wap-Nutzern wird viel Geduld verlangt. Das liegt an der Technik. Der Übertragungsstandard GSM, auf dem die derzeitigen Mobilfunknetze aufbauen, ist nicht für das Internet geeignet. Knapp 40 Pfennig pro Minute kostet es, die Seiten auf dem Wap-Handy aufzurufen, zehnmal so viel wie im normalen Internet. Und es dauert zudem sechsmal so lange - wenn die Verbindung überhaupt zustande kommt.

Viele Nutzer verzweifeln an den Schwierigkeiten, so wie der Geschäftsmann, der kürzlich in der Abflughalle des Hamburger Flughafens von amüsierten Passagieren beobachtet wurde. Schnell wollte er einen Blick auf die Börsenkurse werfen. Doch bevor sein persönliches Depot auf dem Display erschien, brach die Verbindung zusammen. Entnervt riss er den Akku heraus, um das Handy abschalten zu können. Gefangen im Netz: Reißt die Verbindung ab, lassen sich viele Wap-Handys nicht mehr neu starten. Selbst der rote Ausschaltknopf funktioniert dann nicht mehr.