Die britischen Parlamentarier haben das Klonen menschlicher Embryos erlaubt, ohne die Moralinstanzen der Zeit um Stellungnahmen zu bitten. Aber die Zeit liefert sie nach. Ein ganzes Dossier hat sie zusammengestellt, das Thema zieht sich durchs ganze Blatt. Hoch respektable Dichter und Denker sagen im Feuilleton, was sie von der Sache halten. Es ist im Großen und Ganzen ein Wehklagen, ein Rückzugsgefecht der kulturellen und geisteswissenschaftlichen Sphäre, mit wenigen Gegenakzenten.

Ein paar Auszüge.

Zygmunt Baumann (Soziologe): "Was wir uns unter Glück vorstellen, sind immer nur Bilder eines Zustands, in dem die Schmerzen von heute nicht existieren. Die Schmerzen von morgen kennen wir nicht und fühlen wir nicht. Wir können uns nicht vorstellen, welche Qualen genetisch manipulierte Menschen durchleiden, wenn sie das Alter erreichen, in dem wir zum Zeitpunkt ihrer Gestaltung waren. Doch solche düsteren Gedanken können wir jederzeit verscheuchen, wenn wir den Naturwissenschaftlern glauben: Für sie ist die Kunst des Lebens lediglich eine Leistung der Gene."

Boris Chasanow (Arzt): "Ich glaube nicht, dass es der Religion gelingen wird, die traditionelle Moral zu verteidigen, ich glaube auch nicht, dass die Moral die traditionelle Religion vor dem Verlöschen retten wird. Noch weniger kann man damit rechnen, dass die wenigen Inseln des Geistes, die immer noch vor der Aggression des Marktes abgeschirmt werden, aufs Neue die ihnen gebührende Stellung im Leben der Gesellschaft und des normalen Menschen einnehmen werden."

Dieter Thomä (Philosoph): "Die Frage, wie man das Leben verlängert, wirkt aufregender als die Frage, wie glücklich man ist; die Frage, mit welchen Genen man ein Kind ausstattet, brisanter als die Frage, wie man es am besten erziehen soll."

Christoph Schlingensief (Regisseur): "Ich glaube, ein Schlagersänger wäre viel zu eitel, sich klonen zu lassen, weil er es nicht aushalten würde, mitansehen zu müssen, wie sein Klon beim 'Musikantenstadl' beklatscht wird."

Günter Kunert (Schriftsteller): "Die naturwissenschaftliche Durchdringung aller Bereiche, alles Lebendigen, hat den grundlegenden Wandel bewirkt. Aus der 'Krone der Schöpfung' ist ein Sammelsurium zahlloser Gene geworden, ein durch nichts mehr geheiligtes Stück Materie, ach, eher noch: Material."