Überraschung gelungen. James Harris lächelt wie ein glückliches Walt-Disney-Häschen. Stündlich ein Gewitter in der Einkaufspassage des Aladdin-Freizeit-Resorts, das ist doch gleich ein Zacken mehr als drüben in Caesar's Palace, wo sie in der Mall mit den Forum-Shops innerhalb einer Stunde Tag und Nacht simulieren, fulminante Sonnenauf- und untergänge inbegriffen. Als jüngstes Großhotel an Las Vegas' Glitzermeile, dem Strip, muss sich das Aladdin gewaltig anstrengen. Denn in der Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten ist ein Neuling herausgefordert, alles Bisherige zu überbieten.

Vom Eiffelturm - der Blick auf New York

Im schwindelerregenden Reigen immer neuer Superlative bleiben herkömmliche Begriffe schnell auf der Strecke. Was heißt hier schon Großhotel? Es sind ausgewachsene Freizeit-Resorts, die im letzten Jahrzehnt zu beiden Seiten des mehr als sechs Kilometer langen Strips entstanden. Hoteltürme mit über 40 Stockwerken und bis zu 5000 Betten. Zu solchen künstlichen, auf dem Reißbrett entstandenen Ferienwelten gehören Spielkasinos, Restaurants, Shopping-Passagen, Theater und IMax-Kinos.

Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, ist jede dieser Spaßburgen gezwungen, sich eine eigene, unverwechselbare Identität zuzulegen. Nach dem bewährten Rezept: Suche dir ein animierendes Thema, und visualisiere es quer durch alle Servicebereiche. Seit Disney seine Wunderwelten schuf, wissen die Spezialisten fürs Imaginäre: Die glücklichsten Orte auf der Welt sind die, wo Mythen Gestalt annehmen und kollektive Sehnsucht ihre Erfüllung findet.

Also dann: zurück in die Vergangenheit, an den sagenumwobenen Hof von Ramses II. Das Hotel Luxor macht die Zeitreise möglich. Mit einer historisierenden Erlebnisarchitektur wird die Hochkultur des Altertums neu erschaffen. Sphinx, Pyramide und Obelisk signalisieren schon von weitem: Hier ist Ägypten. Hieroglyphenverziert geht es im Inneren weiter und mottotreu bis ins Gästezimmer. Dort wird der Kleiderschrank von zwei massiven Säulen flankiert, als gälte es, den Schatz des Pharaos zu bewachen und nicht das Windjäckchen einer deutschen Touristin.

Und dann das Kunststück, ferne Städte in unmittelbare Greifweite des Besuchers zu versetzen. Wollten Sie, liebe Priscilla aus Iowa, nicht schon immer einmal nach Paris? Voilà! Der Eiffelturm ist nur halb so groß wie das Original, doch wer im Aufzug hinauffährt, kann von oben einen ungewöhnlichen Ausblick genießen - auf Monte Carlo beispielsweise, vor allem aber auf New York.

Zwar sind dessen Wolkenkratzer auf ein Drittel ihrer realen Höhe geschrumpft, doch an die neuen Proportionen gewöhnt man sich rasch. Wie gut, dass Coney Island hier direkt vor dem Empire State Building liegt. Damit rückt der Manhattan Express, eine der furchterregendsten Achterbahnen der Welt, besser ins Blickfeld des Betrachters. Auf steile 61 Meter steigen die gelben Wägelchen hoch, um dann fast senkrecht vom Himmel herunter-und durch das Kasinodach zu schießen.