Juni. Ziemlich warm. Hier im Fernseh nichts Neues. Nur das Übliche: kein BSE gefunden, niemand verhaftet. Saure-Gurken-Zeit. Ansichtskarten von Freunden bekommen. Zum Teil von sehr weit weg.

Juli. Ziemlich wärmer. Ansonsten hier nix Neues: wieder Schwarzgeld gefunden; niemand verhaftet. Noch mehr Ansichtskarten bekommen. Und einen Bescheid von der Post, dass ich nicht da war. Wundert mich zwar, aber wenn die das sagen. Zur Post gegangen und die Post abgeholt.

August. Immer noch ziemlich warm, weniger Ansichtskarten. Ansonsten nix Neues. Außer: Thomas Gottschalk hat auch einen Bruder. Der hat verblüffende Ähnlichkeit mit Gérard Depardieu. Thomas und Gérard lungern sehr possierlich auf Flughäfen herum und sprechen über Aktien. Ach was: über die Aktie! Und wie lustig sie das tun! Zwei so alte Schabracken und noch immer so ein brüderlich-kindlicher Zusammenhalt! Da wäre man doch gerne Familienmitglied! In diese putzige Familie würde man sich doch gerne einreihen! Bloß wie? Aktien kaufen? Die Aktie?

September. Nix Neues. Thommy und Gérard lungern im Hotelzimmer. Thommy versucht zu schlafen, Gérard will ihm die Aktie ausreden. Ausreden? Ist nur ein Spaß! Und Thommy fällt natürlich nicht drauf rein, haha! Wo gibt's eigentlich diese spaßigen Aktien? Keine Ansichtskarten mehr, dafür eine Benachrichtigung, dass der Zusteller den Briefkasten nicht gefunden hat. Ist ja auch nicht leicht, so auf Anhieb eine Straße in Aachen auszumachen. War ja nach dem Krieg ziemlich zerstört. Auf dem Postamt gewesen und Post abgeholt. Thommy und Gérard jetzt auch als lustige Pappfiguren! Und am Stand gibt es gelbe Bonbons (gratis!) und Formulare. Unterschreibe normalerweise blind alles, habe aber Hände zu voll mit meiner Post.

Oktober. Im Ferseh nix Neues, außer BSE jetzt auch in Schwarzgeld gefunden. Verlag/Frankfurt fragt nach, ob Päckchen endlich angekommen. Welches Päckchen? Da könnte ja jeder kommen! Telefonisch nachgefragt. Päckchen verschwunden. Dann taucht es plötzlich wieder auf. In Frankfurt. Zusteller hat meine Straße nicht gefunden. Also zweiter Versuch. Aachen ist ja auch sehr unübersichtlich. Zumal seit Kriegsende. Thommy und Gérard frotzeln wieder so schön.

Im Novemberregen zum Postamt, um Post abzuholen. Gelbe Bonbons gut gegen Halsschmerzen. Päckchen immer noch unterwegs. Mein Mitbewohner auch. Der stellte aber vorher einen Nachsendeantrag. Dann großes Hallo: Das Päckchen kommt! Drei Wochen Frankfurt-Aachen - "was lange währt, wird endlich gut!", scherzt der Zusteller launig. Hat er BSE? Oder ist er der dritte Gottschalk-Bruder? Gérard mausert sich immer mehr. Anfangs noch zurückhaltend, wird er immer kecker, scheint sogar Thommy das Wasser abzugraben, jedenfalls, was den Schlag bei Weibern angeht. Thommy lächelt dazu putzig. Ein guter Verlierer!

Dezember. Im Fernseh nix Neues, außer, dass BSE jetzt auch in Lebkuchen, Shampoo und Ansichtskarten. Briefkasten ist leider leer, bis auf die Post des Mitbewohners. Warum schreibt mir niemand? Anruf vom Mitbewohner: Meine Post ist sicher in Spanien angekommen. Große Freude, viele gelbe Bonbons! Werden jetzt sogar auf der Straße verteilt, von Menschen in gelben Anoraks. Wo kommen plötzlich die vielen gelben Menschen her? Beziehungsweise: Wo sind die sonst? Post findet inzwischen Aachen nicht mehr. Hat sich seit '45 ja auch sehr verändert. Dafür gehen Thommy und Gérard im Fernseh von Tür zu Tür. Und bedanken sich bei jedem Aktienkäufer persönlich. Eine nette Geste. Ja, an den Gottschalk-Buam könnte sich mancher ein Beispiel nehmen. Zum Beispiel die gelben Menschen. Eine gute Nachricht jedoch bleibt: Immer mehr Bürger finden problemloser ihr Postamt als umgekehrt.