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Das größte Medienereignis des Jahres war für mich kein Ereignis, sondern ein neuer Trend: celebrity earthing. Neudeutsch so was wie: Berühmtheiten-Runterholen!

Ein Trend, der vor allem in der zweiten Hälfte des Jahres mit geschickt platzierten Überraschungsmomenten zu glänzen wusste. Boris Becker schlug mit einem fulminanten Zwei-Break auf. So, wie es sich für einen Spitzensportler am Ende der Karriere gehört - entweder ist das Knie kaputt oder die Ehe. Von Beckers Knie war in diesem Jahr leider nichts zu lesen. Auch der ewig grinsende Center-Court-Dauergast Roberto Blanco gab der geifernden Masse, was sie schon längst nicht mehr zu hoffen wagte. Ja, ja ... ein bisschen Spaß muss sein.

Und auch der nächste Ball muss eine runde Sache gewesen sein, wenn wir mal davon ausgehen, dass die Weihnachtsfeiern beim FC Bayern so was wie Ballformat haben. Kaiser Franz persönlich nutzte die sentimentale Stimmung für eine überraschende Freistoßvariante. Natürlich mit Treffergarantie, zumindest eine Dame im Saal war da ganz schnell guter Hoffnung. Und wir waren so gut wie live dabei. Und wenn Franz Beckenbauer weiterhin für einen Mobilfunkanbieter die dusselige Frage stellt, ob denn schon wieder Weihnachten sei, dann blasen künftig Heerscharen von Sekretärinnen die Kerzen aus, damit die Lichtgestalt des deutschen Fußballs mal ausnahmsweise im Dunkeln tappt.

Klingt irgendwie helle. Fehlt nur noch Christoph Daum, doch der fällt an dieser Stelle jetzt mal einfach aus. Von diesem Thema haben schon zu viele die Nase voll.

Das celebrity earthing hat uns nachhaltig verändert. Vorbei die Zeit, wo moralverletzende Geschichten nur bei den Betriebsausflügen von Molkereifacharbeitern passiert sind. Aus der Traum, dass nur der frühpensionierte Rekordtrinker aus dem dritten Stock ein Verhältnis mit der Bedienung im Grünen Kakadu hatte und sie ihn jetzt auf Unterhalt verklagt. Weg mit der Wahnvorstellung, wer ein Kind adoptiert und kurze Zeit später seine Partnerschaft beendet, muss einen Stich haben. Nein, nein, da gehen noch ganze andere am Stock, Mann!

Liebe Leser! Hallo?