Der „Tagesspiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ beschäftigen sich in ihren Aufmachern mit dem FDP-Führungswechsel. Grosse Fischer-Fotos schmücken „Die Welt“ und die „Bild“. „Das war ich“ erklärt die Boulevardzeitung den roten Kreis auf dem Foto von 1973, das einen Mann mit Helm und erhobener Hand vor einem zu Boden gehenden Polizisten zeigt. Das „Handelsblatt“ kümmert sich nicht um innenpolitische Schlägerein. Die Wirtschafts- und Finanzzeitung interessiert die Baisse des Neuen Marktes und die neuen Gehaltsmodelle, die die Kursstürze erfordern. Die „tageszeitung“ beschäftigt sich auf der Eins und der Drei mit dem Verdacht, dass uranhaltige Munition im Kosovokrieg Krebs hervorgerufen hat. Thema in den Kommentaren ist für viele Zeitung die Regierungsbildung in den USA.

Die Bush-Regierung

„Amerikas Kongress ist so gespalten wie das Volk“, analysiert die „Süddeutsche Zeitung“. Mit 221 zu 212 Sitzen ist der Vorsprung der Republikaner zu den Demokraten im Repräsentantenhaus nur gering. Im Senat sind beide Parteien gar mit jeweils 50 Mitgliedern vertreten. „Angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse wird Bush kaum ein konservatives politisches Programm durchziehen können“, schreibt Wolfgang Koydl, „sehr zum Verdruss des rechten Flügels der Republikaner, der acht Jahre lang sehnsüchtig auf einen Machtwechsel im Weißen Haus gewartet hat.“ Das „Handelsblatt“ sieht das anders. Christoph Rabe bescheinigt dem künftigen Präsidenten einen forschen Start und meint, er habe sich von dem knappen Wahlergebnis nicht irritieren lassen: „Bush hat für die Demokraten zwar einen Platz an seinem Kabinettstisch reserviert, aber zugleich demonstriert, dass er für eine deutliche Wende in einigen Politikfeldern eintritt.“ Rabe nennt hier den ultrakonservativen Senator John Ashcroft, der zum neuen Justizminister ernannt wurde, sowie die konservative künftige Innenministerin Gale Norton, die beide für Hardliner-Positionen in Fragen der Abtreibung und des Umweltschutzes stehen. Dass Bush mit Führungsstärke kühn und selbstbewusst an die Arbeit geht, überrascht Rabe nicht, denn sein Amtsantritt falle in eine wirtschaftlich kritische Phase: „Der Absturz der New Economy und die Turbulenzen an den Aktienmärkten mögen ihm zwar neuen Argumentationsstoff für das umstrittene wirtschaftspolitische Kernstück seines Wahlprogramm, das 1,3 Billionen Dollar teure Steuersenkungsprogramm, liefern. Aber es ist höchst umstritten, ob Bush mit Steuererleichterungen eine beginnende Rezession in den USA bremsen kann.“

Jochen Siemens analysiert in der „Frankfurter Rundschau“ die Auswirkung der US-amerikanischen Regierungsbildung auf die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Wenig positiv lautet das Zeugnis, das er den neu ernannten Ministern und ihrem Chef ausstellt: „Bush, der seine mangelnde außenpolitische Erfahrung freimütig einräumt, vertraut einem sicherheits- und außenpolitischen Team, das prädestiniert erscheint, entweder unilateral oder isolationistisch zu agieren.“ Die „konservativen Gestrigen“ bauten dabei auf alte Argumente und alte Antworten, die vertraut klingen: „Aber sie lassen nicht erkennen, dass sie auf die Diversifizierungen der Außen- und Sicherheitspolitik in den vergangenen zehn Jahren passen.“

FDP-Führungsstreit

Wie Parteichef Wolfgang Gerhardt und Generalsekretär Guido Westerwelle in ihrem Führungsstreit zueinander stehen, darin sind sich die Medien nicht einig. Kein Ergebnis sei bisher erzielt worden, heißt es in der „Welt“. Gerhardt habe noch einmal bei dem Krisentreffen beider Kontrahenten in Wiesbaden seine Absicht bekräftigt, wieder für den Parteivorsitz zu kandidieren. Auch über Westerwelles künftige Position herrsche keine Einigkeit. Der Tagesspiegel kündigt hingegen einen Führungswechsel in der FDP an: Westerwelle werde im Bundestagswahlkampf 2002 als Spitzenkandidat seiner Partei antreten, und auch die „Süddeutsche Zeitung“ spricht von einer Einigung, nach der der Generalsekretär die FDP als Spitzenkandidat zusammen mit dem Parteichef in die nächste Bundestagswahl führen soll. Für mächtig aufgebläht hält die „Frankfurter Rundschau“ den Streit: „Wie die FDP sich ins Gerede bringt, ohne im Gespräch zu sein“, heißt es auf der Seite Drei. „Irgendwann wird die FDP wohl oder übel eine endgültige Entscheidung über das Dauerlöckchen wider den Stachel fällen müssen, in welchem sich das Zugpferde Jürgen Möllemann gefällt“, schreibt Torsten Krauel in der „Welt“. „Er und seinesgleichen quälen die Partei so ausdauernd und mit solcher Lust, dass darin entweder Hybris zum Ausdruck kommt oder der unbedingte Glaube an ein Konzept – das scheitern zu sehen wohl der einzige Weg ist, um die Fronten ein für alle mal zu klären.“ Auch der „Tagesspiegel“ gibt sich gelangweilt von der anhaltenden Diskussion: „Der Begriff Führungsfrage passt eigentlich nicht schlecht. Es ist nämlich schon eine Frage, wann endlich in der FDP wieder inhaltlich gearbeitet wird.“

Fischers Vergangenheit