In seinem Science-Fiction-Thriller "2001" prophezeite Stanley Kubrick vor rund dreißig Jahren, dass die Menschheit einen unerbittlichen Kampf gegen die Technik würde führen müssen - im Film symbolisiert durch die Astronauten und dem Supercomputer H.A.L.. Die Nachrichten, die uns tatsächlich aus dem All erreichen, klingen viel freundlicher: Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, machte die Besatzung der internationalen Raumstation ISS in der Silvesternacht die ein oder andere Flasche Krimsekt auf. Gelegenheiten zum Anstoßen gab es reichlich: 15 Mal überflogen die Astronauten die Datumsgrenze. Willkommen im Jahr 2001.

In ihren ersten Ausgaben im neuen Millennium beackern die Tageszeitungen die alten, neuen Probleme. Die meisten Blätter machen mit dem Nahost-Konflikt auf: "Barak stellt Arafat ein Ultimatum", titelt die "Süddeutsche", "Israelische Extremisten rufen zur Ermordung Baraks auf" die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Auch das Thema Rinderwahn steht wieder ganz oben: "Druck auf Funke wächst wegen BSE-Skandals", schreibt zum Beispiel die "Frankfurter Rundschau" auf der Eins. Unter dem Seitenbruch findet sich zumeist die Meldung, das US-Präsident Clinton ein Abkommen unterzeichnet hat, das darauf abzielt, einen internationalen Strafgerichtshof unter UN-Verwaltung zu errichten. Eine überraschende Headline hat heute allein das "Handelsblatt" zu bieten: "Zuversicht am Neuen Markt" titeln die Düsseldorfer.

Neue Zuversicht am Markt?

Wie jetzt: "Zuversicht am neuen Markt"? Was soll das heißen? War nicht eben noch von "Crash", "Blutvergießen" und "Kapitalvernichtung" die Rede? "Nach Meinung der Experten ist die Talfahrt am Neuen Markt fast überstanden", schreibt das "Handelsblatt". Es sei durchaus möglich, dass der Nemax im zweiten Halbjahr 2001 wieder bis auf 5000 Punkte steige. Nach den Flops im vergangenen Jahr sei zudem zu erwarten, dass die neue Titel vorsichtiger eingeführt und bewertet würden. Auch die "Süddeutsche Zeitung" lässt auf bessere Börsenzeiten hoffen. "Neuanfang im Zeitalter des Netzes. Trotz der Pleiten der letzten Jahre: Die New Economy wird zum wichtigen Wirtschaftsfaktor", ist der Kommentar auf der Meinungsseite überschrieben. Autor Marc Beise führt aus, wie stark das Internet bereits das Wirtschaftsleben verändert hat. Das habe zu vielversprechenden Verknüpfungen zwischen Old und New Economy geführt. Insofern hätten auch die Kursverluste des vergangenen Jahres einen Sinn: "Was für den einzelnen bitter ist, war volkswirtschaftlich gut angelegtes Lehrgeld". Das wird die gebeutelten Anleger sicherlich trösten.

Zur Krise im Nahen Osten

Die Krise im Nahen Osten spitzt sich hingegen weiter zu. Am Sonntag ermordeten palästinensische Attentäter den ultranationalistischen Anführer der israelischen Siedler Kahane, kurz darauf erschossen Scharfschützen den Funktionär der palästinensischen Fatah-Bewegung Thabed. Daraufhin kam es wieder zu blutigen Zusammenstößen zwischen den verfeindeten Volksgruppen. Unterdessen verhandelte US-Präsident Clinton fieberhaft mit Arafat und Barak, um diese dazu zu bewegen, dem amerikanischen Friedensplan zuzustimmen. Die Kommentatoren der Tageszeitungen fragen sich inzwischen jedoch, ob Barak und Arafat überhaupt noch die richtigen Ansprechpartner sind. "Selbst wenn sie sich persönlich mit dem Clinton-Kompromiss anfreunden können, steht hinter ihnen keine Mehrheit", ist zum Beispiel in der "Frankfurter Rundschau" zu lesen. "Unter ihnen hat ein Friedensplan zwar Konturen gewonnen, ist aber Theorie geblieben. In die Praxis umsetzen werden ihn wahrscheinlich andere. Irgendwann, in einer ungewissen Zukunft".

Clinton unterzeichnet für die Gründung eines internationalen Strafgerichts