DIE ZEIT: Das britische Parlament macht den Weg frei für Forschung an geklonten Embryonen. Ist die deutsche Entrüstung gerechtfertigt?

CLAUS BARTRAM: Ich möchte feststellen, dass Emotionen und Vorverurteilungen in dieser Frage nicht weiterhelfen. Wenn auf der einen Seite die Allmacht der Stammzellen gepriesen und auf der anderen Seite von medizinischem Kannibalismus geredet wird, ist die Diskussion schnell beendet. Mir wird da zu viel mit der Moralkeule operiert.

ZEIT: Was genau dürfen britische Forscher nach dem neuen Beschluss nun tun?

BARTRAM: Sie können einen Zellkern aus einer erwachsenen Körperzelle in eine zuvor entkernte menschliche Eizelle übertragen. Sie dürfen die Entwicklungsvorgänge dieses geklonten Embryos bis zum 14. Tag studieren und auch embryonale Stammzellkulturen daraus gewinnen. Die könnten für die individuellen Zellersatztherapien eingesetzt werden. Aber um es klar zu sagen: Es geht nicht darum, das Dolly-Experiment am Menschen zu wiederholen.

ZEIT: Ein Mensch darf nicht getötet werden. Aber wann wird aus einem Häuflein Zellen ein Mensch?

BARTRAM: Es gibt natürlich die kategorische Lösung: Im Moment einer Befruchtung, also der Verschmelzung von Ei- und Samenkern, ist ein Mensch entstanden ...

ZEIT: ... Sie meinen die katholische Position ...