Der Wunsch nach Jugend und Gesundheit ist so alt wie die Gebrechen der Menschheit. In der antiken Mythologie galt es als größtes Göttergeschenk, erhielt ein Sterblicher die ewige Jugend eingehaucht. Im Mittelalter quackten und salbten die Alchimisten, um den biologischen Verfall zu stoppen; zum gleichen Behufe verhökerte Goethes Faust seine Seele an den Teufel. Heute verfügen wir zwar über prall gefüllte Apotheken und bis zu den Zähnen gerüstete Mediziner, doch am Ende hilft all dies nur ein bisschen bremsen auf dem gnadenlos abschüssigen Weg zur Gruft.

Das soll sich bald ändern, Klonen sei Dank. Biotechniker und Transplantationsmediziner wollen die offenkundige Fähigkeit der Natur zur Selbstheilung und -verjüngung damit endlich in den Griff bekommen. Stammzellen heißt ihr Zauberwort. Wer diese alles heilenden Zellen züchten und abrichten kann wie der Hirte seine Hunde, zu dem werden die Lahmen und Kranken künftig pilgern wie einst die Frommen ins Heilige Land.

Am Anfang ist der Embryo quasi eine einzige Stammzelle, aus der noch alle Organe entstehen. Mit jedem Schritt zum ausgewachsenen (adulten) Individuum verlieren die Zellen ein wenig von diesem Potenzial. Doch selbst beim Erwachsenen bleibt in den Organen ein Reservoir, und so regenerieren sich auf nahezu wundersame Weise verbrauchte und verletzte Gewebe. Beispiel Blut. Permanent bilden Blutstammzellen im Knochenmark abgestorbene weiße wie rote Blutkörperchen neu. Eine Knochenmarktransplantation ist nichts anderes als eine Übertragung von Stammzellen. Und die hat schon Tausenden Krebskranken das Leben gerettet. Auch die Leber regeneriert sich erstaunlich gut. Chirurgen brauchen nur eine Teilleber zu transplantieren, im Spender erwächst daraus ein ganzes Organ. Die Haut schließt lebenslänglich Schürf- und Schnittwunden, selbst Herzen und Hirne heilen kleine Defekte aus. Leider schwankt die Regenerationsfähigkeit je nach Organ und Alter zwischen voll und null - durchtrenntes Rückenmark verheilt nicht mehr.

Längst liefern sich Biotechniker und Mediziner einen internationalen Wettlauf im Suchen und Züchten passender Stammzellen, um verschlissene Organe zu regenerieren. Hirnstammzellen fürs kranke Hirn, Herzstammzellen fürs humpelnde Herz, Knochenstammzellen fürs morsche Skelett. Deutsche und Franzosen beispielsweise setzen darauf, adulte Stammzellen in den einzelnen Organen zu finden und durch entsprechende Cocktails aus Nähr- und Signalstoffen so zu aktivieren, dass sie eine Wuchs-, und Heilkraft erlangen.

Tierexperimente haben gezeigt, dass so gewonnene Stammzellen verblüffend flexibel sind, sich ihrer Umgebung anpassen wie Chamäleons. Schwedische Forscher versetzten Stammzellen aus Hirnen erwachsener Mäuse in Mausembryonen. Je nachdem, wo die eingespritzten Hirnstammzellen anwuchsen, bildeten sie völlig unterschiedliche Gewebe im Herzen, in der Niere, Muskulatur oder im Darm. Unbekannte Stoffe befähigen offenbar im Embryo die älteren Stammzellen zur Bildung mehrerer Gewebearten, sie gelten dann als "pluripotent".

Während die Kontinentaleuropäer mit ethisch unverfänglicher Zellbiologie heilkräftige Stammzellen aus Erwachsenen gewinnen wollen, versuchen es die Briten nun mit einer radikalen Verjüngungskur, nämlich der Erzeugung des Urstammzelllieferanten, eines Embryos, geklont aus einer Zelle des Patienten.

Man nehme einfach das komplette Erbgut - die DNA - einer Körperzelle des Patienten und eine weibliche Eizelle, deren ursprüngliche DNA herausgesaugt wird. In diese entkernte Eizelle übertrage man die Patienten-DNA, ganz wie beim Klonen des Schafes Dolly.