Wollen Sie mich mit dem Stöckchen in die Satire treiben? Kein Journalist jagt doch absichtlich Säue durchs Dorf! Das wäre ja zynisch.

Aber auch Sie wollen doch möglichst viel Lärm machen, wenn Sie über verkaufsträchtige Titelthemen entscheiden?

Nein. Wir drucken, was wir wichtig finden. In meinen Augen werden die Säue nur im Boulevardjournalismus gejagt - über den ich mich nicht moralisch erheben will, aber er zielt doch auf anderes als Abonnementzeitungen oder Nachrichtenmagazine. Da wird manchmal hochgejubelt, wie wahnsinnig gesund Rotwein ist, und eine Woche später, wie sehr Rotwein schadet.

Immer wieder umstritten sind zum Beispiel Ihre galoppierenden "Focus"-Hitlisten: die besten Krankenhäuser, Unis, Ärzte, Städte ...

Ich bitte Sie. Für diese Titelgeschichten recherchieren wir monatelang.

Oder "Faustrecht macht Schule": Ist die süffig übertriebene Gewalt unter Kindern nicht auch so ein regelmäßiger Renner?

Das ist doch tatsächlich ein unglaubliches Problem! Wenn wir etwas drucken, dann sind wir davon überzeugt: Wir haben eine gute und wichtige Story. Wir arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen. Was nicht heißt, dass sich manches im Nachhinein mal als Sau erweisen kann.