"Wenn du das Trinken aufgeben willst, schau dir mit nüchternen Augen Betrunkene an", sagt ein Sprichwort. Das hatte Frinton getan - und sich darauf spezialisiert, sie auf der Bühne nachzuahmen. Entdeckt wurde er vom NDR für die Sendung Guten Abend, Peter Frankenfeld!. Unterhaltungs-Scouts des Senders waren, Lachware suchend, nach Blackpool gekommen, damals eine Hochburg für Komiker. Allein 13 Varietétheater gab es in dem Seebad, die täglich mehrmals ausverkaufte Vorstellungen spielten. Dort servierte auch James für Miss Sophie schon seit einer kleinen Ewigkeit die Mulligatawny Soup, den Schellfisch und das Hühnchen.

Exakt 4150 Mark Gage (abzüglich 622,50 Mark an Steuern) erhielt Frinton für seine Nummer. Der Sender aber hat immer noch Grund, die Tassen zu heben: In 20 Länder wurde Dinner For One verkauft, unter anderem nach Südafrika, Island, Polen oder Bulgarien. Auch die Norweger schauen seit 1979 jedes Jahr Grevinnen og Hovmesteren . Doch keine Nation ist Frinton so treu wie Deutschland. Erst wenn Admiral von Schneider die Hacken zusammenschlägt, wissen wir, dass mal wieder ein Jahr zu Ende geht. Aber was bei uns als Inbegriff britischen Humors gilt, löst im Herkunftsland nur Schulterzucken aus. Dort galt Frinton als Provinzkomiker und ist so gut wie vergessen. Er starb 1968 in London an einem Herzinfarkt.

Drei Wochen später hätte eine Farbversion gedreht werden sollen. Zu dieser Konzession an die Moderne immerhin war Frinton bereit. Den Butler auf Deutsch zu spielen, lehnte er hingegen ab. Seine Meinung über die Krauts soll nicht die beste gewesen sein. Angeblich auch der tiefere Grund dafür, dass von Schneider nicht "Prost" sagt, sondern "skål".

Er tut es in diesem Jahr zum 38. Mal, und die Frinton-Forschung forscht weiter. Soziologen haben den schlichten Handlungsverlauf und seine treue Wiederholung als Zeichen der Sehnsucht nach einer einfachen und berechenbaren Welt interpretiert. Der Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz erkennt aufseiten des Publikums sogar eine Fähigkeit zur Selbstironie. We'll do our very best .

Doch selten lesen wir so aufwühlende Berichte wie den von Herbert Grömmer. In seinem Buch Miss Sophie's Liebhaber geht er der Frage nach, ob es ein Leben vor dem Dinner gab. Dabei wird die feine Gesellschaft der Abwesenden als eine Bande von Hochstaplern entlarvt: Mr. Pommeroy soll Miss Sophie und ihre Mutter gleichermaßen verführt haben. Admiral von Schneider stand nie auf einem Kriegsschiff, sondern höchstens auf einer Laienbühne. Mister Winterbottom, ein Antiquitätenhändler, konnte seine Verlobung mit Miss Sophie nicht einhalten, weil er am Tag vor der Hochzeit an einem Hühnerbein erstickte. Sir Toby: ein abgehalfterter Detektiv und Säufer. Von Eifersucht zerfressen, hat Butler James gewartet, bis die Nebenbuhler ins Jenseits gingen. Möglicherweise aber hat auch der Autor zu oft angestoßen. However. Ein Menschheitsrätsel wird wohl immer ungelöst bleiben: Was passiert wirklich oben im Schlafzimmer?

"Dinner for One" So 31.12. u.a. WDR, 18.50 Uhr