Der absurde Wille des Menschen, individuell und kollektiv Schöpfer seiner selbst sein zu wollen, ist so alt wie der Mensch selbst. Martin Luther formuliert scharf: "Kein Mensch kann von Natur aus wollen, dass Gott Gott sei; vielmehr wollte er, dass er selbst Gott sei und Gott nicht Gott." Und Friedrich Nietzsche statuiert: "Wenn es Götter gäbe, wie hielte ich's aus, kein Gott zu sein!"

So stellt sich die Frage, ob und inwiefern der Mensch Schöpfer seiner selbst und seiner Mitwelt sein könne oder sei, nicht erst heute und nicht erst im Zusammenhang der biologischen Machbarkeit des Menschen. Freilich spitzt sie sich in der Neuzeit in spezifischer Weise zu. Die konsequenteste Negation der überlieferten Schöpfungslehre geschieht mit der Inanspruchnahme des Schöpferprädikats durch den Menschen im Atheismus Friedrich Nietzsches: Das Gottes-prädikat des "Poeten", im Nizäischen Glaubensbekenntnis das Wort für "Schöpfer", wird nun dem Menschen zugesprochen.

Im Widerspruch der verschiedenen Perspektiven auf den Homo Poeta und Homo Faber herrscht freilich weithin eine eigentümliche Unklarheit. So wird oft die Gestalt des Prometheus als Verkörperung der Selbstschöpfung gegen den Schöpfergott des christlichen Glaubensbekenntnisses ausgespielt - zu Unrecht. Denn der "Prometheus" des jungen Goethe etwa revoltiert gegen einen neidischen und unbarmherzigen Zeus, nicht aber gegen den, der als der Allmächtige und zugleich Barmherzige die "Herrschaft über die Erde" (1. Mose 1,28) dem Menschen neidlos gewährt und zu treuen Händen anvertraut. So ist das erfindend-konstruierende Moment der Herrscherwürde des Menschen voll zur Geltung zu bringen. Gegen alle romantische und neuromantische Verklärung eines gegen die analytische Schärfe gerichteten organologischen Denkens, aber auch gegen naturalistische Hoffnungen von Evolutionstheoretikern muss die theologische Anthropologie und Ethik darauf bestehen, dass dann, wenn zu unserer menschlichen Würde konstitutiv gehört, an Gottes Sprachvernunft Anteil zu haben (1. Mose 2,7), weshalb wir den Tieren "Namen" geben können (1. Mose 2,19 f.), aber auch geben müssen, unsere Vernunft nicht nur vernehmende, sondern auch konstruierende Vernunft ist. Zu ihr gehört durchaus auch die Anthropotechnik, verstanden in der weiten Bedeutung einer jeden technischen Gestaltung unserer menschlichen Natur, wie sie beispielsweise mit einem chirurgischen Eingriff geschieht. Das Wort "Anthropotechnik" darf kein Horrorwort sein. Die Fähigkeit des Menschen zu künstlichem Synthetisieren ist nicht zu verteufeln, sondern verantwortlich zu gebrauchen - indem Grenzen wahrgenommen: gesehen und gesetzt werden.

Aber wie? In der Ehrfurcht vor des Menschen Geschöpflichkeit. Von dieser Geschöpflichkeit ist in Bezug auf heutige biologische Einsicht zu reden. Nach ihr ist der Beginn menschlichen Lebens mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle gegeben. Denn in diesem Vorgang liegt ein qualitativer Sprung; etwas völlig Neues entsteht. Alle Entwicklungsstufen können die Kontinuität des gesamten Prozesses, in dem sich ein Lebewesen nicht zum Menschen, sondern als Mensch entwickelt, nicht in Frage stellen. So ist es willkürlich, bestimmte Zäsuren innerhalb dieses Kontinuums als Bezugspunkte für Stufen der Anerkennung des entstehenden menschlichen Lebens zu nehmen. Auf das Leben, das mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt, bezieht sich die Anerkennung und der Schutz: Dieser Zellhaufen ist mit der Personwürde umkleidet, beglänzt, umleuchtet.

Eine solche Aura ergibt sich freilich nicht aus dem materiellen Substrat als solchem, nicht von Natur aus. Zwar ist auch dieses Element "geschaffen" - aber doch so, dass sich mit ihm kraft der Mitteilung der göttlichen Sprachvernunft sozusagen ein Einsetzungswort verbindet, ja unauflöslich verschränkt. In ihm - in dem in keiner Weise analytischen, sondern ganz und gar synthetischen Satz, der den Zellhaufen und die Person zu einer unauflöslichen Einheit zusammenspricht: "Dieser Zellhaufen ist Person" - wird die Herrschaft ausgeübt, die in der menschlichen Fähigkeit zur "Namengebung", in der uns verliehenen und anvertrauten Definitionsmacht liegt; dieses Einsetzungswort legt fest, mit ihm geschieht eine Setzung.

Es ist die göttliche und zugleich menschlich-kulturelle Rechtsinstitution. Sie umfasst und durchdringt die Natur, ist keine Selbstschöpfung, auch keine Mitschöpfung, wohl aber Mitwirkung, cooperatio, zu der wir Menschen ebenso wie zur Zeugung des Zellhaufens, des Elementes, gewürdigt sind. Zu dieser Verschränkung von Natur und Institution, Element und Einsetzungswort sagt der bedeutungsschwere Satz 1. Mose 2,7: "Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies ihm den Odem des Lebens, den Geist der Sprachfähigkeit, in seine Nase. Und so wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen." In der Wahrnehmung dieser unauflöslichen Verschränkung von Erde und Lebensodem, von Element und Einsetzungswort ist eine naturalistische Perspektive ebenso ausgeschlossen wie eine geistphilosophische oder personalistische Perspektive; der Dualismus Kants ist ebenso vermieden wie der Monismus Herders.

Auch ein Embryo ist weder ein Mittel noch eine Sache