Die Entschlüsselung des Genoms bringt erst mal gar nichts. Keine Wunderheilung in Sicht. Alles nur "Neuer-Markt-Gequatsche". Trotzdem regt das Thema die Fantasie an, und wenn das der Neue Markt schafft, dann hat er zumindest bis zur nächsten Sternschnuppe seine Aufgabe erfüllt. Genom als Mittel der Aufklärung. Klarheit schaffen für noch bessere Waffen. Also Krieg. Wer Hieroglyphen entschlüsselt, kann Kriege verstehen und gleichzeitig neue planen.

Wer Klarheit schafft, macht nichts anderes, als auf Verschmutzungen hinzuweisen. Und genau das wird uns der Schlüssel zum Glück bis in alle Ewigkeit zuschließen. Ich spreche hier hauptsächlich im Auftrage meines Klons. Er wurde geboren, weil er mich darstellen sollte. Ich habe mich bereits vor einigen Jahren in England klonen lassen, weil ich schon damals der festen Überzeugung war, dass ich etwas Besonderes, Klonenswertes bin. Ich bin toll, also muss ich mich künstlich vervielfältigen und somit auch verlängern lassen.

Als wir nun kürzlich eine weitere Folge der U3000 gedreht haben und Flottillenadmiral Schmähling mitfuhr, war unser Thema: Was ist ein Versorgungssystem? Meine damalige These - wir haben zwar ein System, aber keine Versorgung mehr - stieß bei Bernhard Brink, der auch noch mitfuhr, auf absolutes Unverständnis. Erst als ich die Sendung aus Langeweile verlassen hatte und nach einer kurzen Schlägerei mit dem Kameramann auf den Bahnsteig gesprungen war und die U-Bahn ohne mich weiterfuhr, musste Brink lernen, dass er nun in der Hand meines Klons war.

Ich war weg, mein Klon war noch da. Also sagte Brink zu meinem Klon: "Los, wenn Christoph weg ist, dann bist du jetzt Christoph." Da sagte mein Klon: "Aber ich bin nicht Christoph, ich bin nur ein Teil von ihm." Da lachte Brink ausgesprochen dämlich, weil er das nicht kannte. Es gibt zwar viele Schlagersänger, aber alle legen großen Wert darauf, dass sie einmalig sind.

Ich glaube, ein Schlagersänger wäre viel zu eitel, sich klonen zu lassen, weil er es nicht aushalten würde, mitansehen zu müssen, wie sein Klon beim Musikantenstadl beklatscht wird. Ich habe mich aber klonen lassen, weil ich mich entlasten wollte. Ich kann nicht überall sein, wo man mich gerne hätte. Außerdem sind die Aktionen sehr anstrengend und frustrierend, weil man immer als Task-Force angerufen wird, weil sich im Kulturbetrieb sowieso nichts mehr tut. Dabei genügt es den Leuten meist schon, meinen Namen auf das Leporello zu schreiben. Noch schöner ist es natürlich, wenn auch noch ein Klon von mir auftaucht. Zu Verwicklungen und nicht erfüllbaren Erwartungen kommt es sowieso.

Also es ist wirklich egal, ob man mich als Provokateur oder als Gesprächspartner einlädt. Im ersten Falle kommt es garantiert nicht zur Provokation und im zweiten Fall garantiert zum Gespräch. Eigentlich kommt es immer zum Gespräch, aber im ersten Fall unterhält sich der auf Provokation Hoffende nur mit sich selber. Womit ich sagen will, es klingt etwas anmaßend, aber ich liebe meinen Klon, wenn er an meiner Stelle beschimpft wird, und gleichzeitig bin ich traurig, dass ihm so viel Blödheit zugemutet wird.

Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch, wenn mein Klon gelobt wird. Denn dann werde auch ich gelobt. Trotzdem gibt es da eine dramatische Veränderung seit dieser Sendung. Mein Klon weigert sich, mich darzustellen, und behauptet, er habe eine eigene Identität. Bernhard Brink fand das nur rührend und begann Es ist vorbei zu singen. Sehr witzig, die pure Ignoranz. Ich musste hingegen verstehen, dass da etwas Wahres schlummert. Seit diesem Ereignis, bei dem mein Klon sich weigerte mich darzustellen beziehungsweise ich zu sein, haben wir Krieg. In der Nacht ruft er mich an und beschimpft mich als Witzfigur, als kleinen, miesen eitlen Fatzke, der sich nur noch wiederholen könne.