"Bild" zum Beispiel, gibt der "Schmutzschlacht um die Kinder" von Barbara und Boris Becker den eindeutigen Vorzug und bringt die ab Januar geltende Benzinpreiserhöhung nur an zweiter Stelle. Die "tageszeitung" hievt dagegen ein Land groß auf die Eins, dass vorübergehend fast vergessen war: "Kongo stirbt den stillen Tod" titeln die Berliner im heutigen Aufmacher und erinnern so an eine bislang kaum beachtete humanitäre Katastrophe. Die Welt schließlich sucht journalistisches Glück in einer fraglichen Flug-Affäre und textet reichlich selbstbewusst: "Eichel in Widersprüche verstrickt".

Im übrigen Blätterwald - "Faz, Tagesspiegel, Frankfurter Rundschau und Süddeutsche Zeitung" - rauscht es dagegen weniger laut, fast überall teilen sich Nahost-Konflikt und BSE-Krise die Titelseite. Der einzige positive Aufmacher des Tages findet sich im "Handelsblatt". Dort ist "Das langsame Comeback des Euros" Titelthema.

Kongo-Krise

"Der Krieg in der Demokratischen Republik Kongo entwickelt sich zum größten humanitären Desaster der Welt", meldet die "tageszeitung" in ihrer heutigen Ausgabe. Kongo? Krieg? War da was? Da ist sogar noch was: Andauernde Kämpfe von Regierungstruppen und Rebellen treiben das 50-Millionen-Einwohner-Land geradezu mit Volldampf in eine wachsende humanitäre Katastrophe. Über zwei Millionen Menschen haben in diesem Jahr bereits ihre Heimat verloren. Hunderttausende leben ohne Unterstützung und bar jeder Möglichkeit zur Selbstversorgung als Flüchtlinge im Regenwald. 1,7 Millionen Menschen sind nach Schätzungen der UNO im Osten des Landes bisher an den Folgen von Seuchen, Hunger und Vertreibung gestorben. "Nirgendwo sonst auf der Welt fallen heute so viele Menschen in so kurzer Zeit den Folgen eines bewaffneten Konflikts zum Opfer, kommentiert die "taz". Und ein Ende ist nicht abzusehen. Trotzdem hat diese Situation im Kongo bislang keine Welle internationaler Hilfsbereitschaft hervorgerufen. Für das Jahr 2000 standen Hilfsorganisationen der UN gerade mal zehn Millionen Dollar zur Verfügung, berichtet die "taz" weiter; für 2001 werden 139 Millionen Dollar benötigt. Eine ausführliche Reportage zur Situation im Kongo finden die Leser auf der Seite 5.

Becker gegen Becker

Kontrastprogramm: Hat Boris Becker wirklich seine beiden Kinder aus den USA entführen wollen - das zumindest behauptet der amerikanische Anwalt von Ehefrau Barbara. Ist aber auch egal, denn für "Bild" ist aus dem eigentlich eher durchschnittlichen Scheidungsdrama auch ohne Kinder-Kidnapping längst ein Rosenkrieg geworden. Dabei verfügen die Redakteure offensichtlich über Informationen aus allererster Hand: Offizielle Anträge der amerikanischen Anwälte Barbara Beckers werden genauso veröffentlich wie diverse andere langweilige Details aus dem Leben und Streben des ehemaligen Traumpaares. "Sie streiten sogar um Koch und Leibwächter" ist deshalb nur der bisherige Höhepunkt bei Bild´s "Becker gegen Becker". Man darf sich deshalb freuen - oder auch nicht: Fortsetzung folgt mit Sicherheit.

BSE-Krise