Wieder einmal sind wir an dieser Stelle unserer Zeit weit voraus. Während alle Welt noch über den Vorschriften brütet, die sich zum 1. Januar geändert haben, schauen wir schon auf die Änderungen vom 1. Februar 2001. Die betreffen zum Beispiel einige Änderungen des Verhaltens im Kreisverkehr. Künftig heißt es: Beim Einbiegen in den Kreis  n i c h t  blinken, beim Ausfahren aber  s e h r   w o h l. (Warum aber erst vom 1. Februar an?)

Damit wären wir auch beim eigentlichen Thema - beim Kreisverkehr. Er ist wieder am Kommen, zu Lasten der ampelbewehrten Kreuzung. Das Erstaunliche daran: Er war in den sechziger und siebziger Jahren erst mühsam abgeschafft worden. Wer freilich oft genug mit dem Auto auf den britischen Inseln unterwegs war, hatte das nie begriffen. Die Briten bekommen sogar das hin: einen kleinen, weißen, dicken Punkt auf eine zierliche Dorfstraßen-Kreuzung zu malen, das Ganze dann einen Kreisel zu nennen - und schon funktioniert der Straßenverkehr auf das Angenehmste.

Hierzulande muss allerdings irgendeine Ampelindustrie-Lobby es geschafft haben, alle Kreisel aus dem Verkehr zu ziehen und das ganze Land zu verampeln, mit der Wirkung, dass nichts mehr funktioniert, wenn die Ampel ausfällt - oder gar nicht erst vorhanden ist. Und in den Zeiten knapper Kassen (der Ampel-Lobby sei's geklagt, das heißt: eigentlich klagt sie schon selber...) findet immer öfter beides statt: Mal fehlt es an Geld für eine nötige Ampel, mal fehlt das Geld und Personal für eine zeitnahe Reparatur. Und wer einmal vergeblich versucht hat, bei der zuständigen kommunalen Instanz dafür zu werben, dass an einer gefährlichen Kreuzung lediglich zusätzlich eine gelbe Blinkleuchte angebracht wird - zur Warnung der Rechtsabbieger vor den Kindern, die über die Seitenstraße (nicht: Seidenstraße!!) schreiten müssen - wer das einmal versucht hat, nur um zu erfahren, dass diese gelbe Funzel 600 000 Mark kosten würde (im Baumarkt muss es so etwas doch billiger geben), der weiß, welche wirtschaftlichen Interessen hinter der Verampelung unseres Landes stehen. Der Brite, wie gesagt, kommt mit dem Farbtopf daher, ein dicker weißer Klecks - und fertig ist die Lösung.

Und warum nun bei uns der Weg zurück in die Kartoffeln? Erstens: Geld ist alle. Oder um es mit einem schönen Metaphernsalat zu sagen: Der nackten öffentlichen Hand kann niemand in die leere Tasche greifen - nicht einmal die Ampel-Lobby. Zweitens: Die EU! Es muss ja alles vereinheitlicht werden, auch das Regelwerk für die Benutzung des Kreisverkehrs. Wer aber den Kreisverkehr einheitlich regeln will, der braucht erst einmal - Kreisverkehr. Drittens: Vielleicht hat es auch so lange gedauert, bis wir gemerkt habe, weshalb unser Kreisverkehr nicht so gut funktioniert wie der britische oder welsche? Ich erinnere mich jedenfalls (aber die Erinnerung kann einen fürchterlich täuschen), im Fahrunterricht gelernt zu haben: Im Ausland hat jener Verkehr Vorfahrt, der den Kreisel verlässt (folglich funktioniert das Spiel), in Deutschland hingegen gilt auch im Kreisverkehr "rechts vor links" - und folglich verstopft und blockiert sich der Zirkel; es sei denn - auch das wurde schon gesehen - man habe die einzelnen Einfahrten in den Kreisel wiederum (vgl.: Lobby und s.o.) mit Ampeln bewehrt. Wenn aber die erst ausfallen…

Wie dem auch sei: Manchmal liegt der Fortschritt in der Rückkehr zur Vernunft. Und manchmal bewegt sich der Fortschritt - im Kreis. Und ganz selten trifft beides gleichzeitig zu.