Neulich an der Ostfront: Dresden. Wegen Weihnachtsmarkt alles voller Rentner, die genug Geld haben, die Hotels der Innenstadt zu besetzen. Für werktätige Autoren heißt das: 50 Taxi-Mark außerhalb in einem Gewerbegebiet nächtigen. Vor Verzweiflung kaufte ich vier schwere Kunstbücher. Die wollte ich im desolaten Zimmer durchblättern. Kunst kann trösten. Da riss der Koffergriff. Ich kaufte Schrauben und Werkzeug. Statt Kunst abends den Koffer betrachtet und den Fernseher angemacht. Bambi-Preisverleihung im Ersten, 8.

Dezember. Freitag, 20:15 Uhr. Allerbeste Sendezeit.

Trotz Kofferreparatur hätte ich mir das nicht angetan - wenn ich nicht wenige Tage vorher die Übertragung der Verleihung des Bayerischen Theaterpreises in Bayern 3 gesehen hätte, schamrot, weil nicht unbeteiligt: Für eine Stange Geld hatte ich den Basistext für die Moderation geschrieben. Der Text sollte bitte, bitte geistreich und unfeierlich sein, aber schon vor dem Spektakel war klar, dass jeder Witz zwischen der Gattung Preisverleihung und dem Medium Fernsehen zerquetscht werden würde. Bambi-Burda versucht gar nicht erst, dem Glamour zu entkommen, sondern entfaltet ihn schamlos und, auch wenn man sich bemüht, einen auf international zu machen, mit einer abstoßenden Ungeschicklichkeit. Ich habe nicht permanent auf den Bildschirm starren können (nicht nur wegen meiner Nebentätigkeit) und weiß daher nicht, wer gerade den Bambi bekam und wer ihn überreichte. Boris Becker oder Beckenbauer? Claudia Schiffer oder Angela Merkel? Ist auch völlig egal. Ich mag sie alle nicht. Es kommt nur darauf an, blöd herumzustehen, naiv ein paar blöde Worte zu sagen und prominent zu lächeln. Das können sie: Uwe Ochsenknecht, Sabrina Setlur, Tom Jones oder Reinhold Messner, Sabine Christiansen oder Guido Westerwelle. Alle finden sich und Burdas Bambi toll.

Indiskutabel. Wenn Westerwelle das Kleid seiner vor Glück heulenden Lieblingstalkshowgastgeberin und dann auch noch holzig diese selbst lobt, dann ist das alles längst nicht mehr Realsatire, sondern ein Zeichen für realen Realitätsverlust.

Der konfuse Prominentenauflauf wäre keines Blicks und schon gar nicht der Rede wert. Was die Geschmacklosigkeit so interessant macht, ist die Tatsache, dass hier stundenlang zur besten Sendezeit unverhohlen Werbung für Burdas Zeitschriftenimperium gemacht wurde, worüber sich Hubert Burda, immer wieder klatschend im Bild - und immer mehr an Edward G. Robinson in seinen Gangsterrollen erinnernd, sichtlich freute. Ob Telekom oder ARD - sie machen alle mit. Und diese bunte Schmierigkeit sah man der perfiden Sendung an.

Widerlich. Am Schluss darf auch noch das Publikum einen Bambi vergeben, online, glaube ich, dank Telekom. Natürlich das Publikum aller möglichen Burda-Blätter, deren fiese Cover abschließend noch mal den Bildschirm zieren.

Was dachte sich die ARD dabei? Man dachte wohl: Nur wer solche Zeitungen in die Hand nimmt, hält auch eine solche Sendung bis zum Schluss durch. Oder dachte man an das ARD-Magazin, das den Publikums-Bambi bekam?