Hamburg/Speersort, zwischen den Feiertagen. Altredakteur Boris Dementi wischt ein letztes Mal Spinnweben vom Terminkalender. Wieder geht ein Jahr zu Ende, wieder Zeit, Bilanz zu ziehen. Der Altredakteur nippt vom guten Mokka aus der Kantine, alsbald hört man seine Feder kratzen: Klotho, Lachesis, Atropos, diese drei schnitten auch in diesem Jahr so manchen Lebensfaden ab.

Dahin ging Erich Mielke, ein letztes Mal wetterte Bischof Dyba, versagt blieb es Konrad Kujau, Oberbürgermeister von Stuttgart zu werden. Abschied nehmen mussten wir vom Transrapid. Auf immer schloss die Expo ihre Pforten. Nie wieder wird es original Jil Sander geben. Der Altredakteur hält inne. Wie könnte man das jetzt noch steigern? Nachdenklich greift er zur Schnupfdose, tunkt den Kiel ins Fass, schon geht es weiter: Auf Grund lief die Kursk, ins Bodenlose fiel die Börse. Babbel, Bierhoff und Konsorten luden Schmach und Schande auf den deutschen Fußball. Neue Risikosportarten machten die Runde, wie zum Beispiel Rindfleisch-Eating. Roberto Blanco sang ein letztes Mal in der ZDF-Hitparade. Babs behält die Kinder. Oha. Starker Tobak. Der Altredakteur packt das Glas und leert zum Wohle des Verlegers ein größeres Quantum Black & White. Jeder zweite Leser, Verzeihung, jeder zweite Deutsche ist zu dick, der Schadstoffausstoß von Rasenmähern und Kettensägen soll nach dem Willen der EU-Kommission in den kommenden zehn Jahren um bis zu 85 Prozent gesenkt werden. Immer noch zehn Zeilen? Verflucht. Der Papst wird in Polen vom Meteoriten erschlagen. Helmut Kohl packt aus. Christoph Daum wird Herausgeber der ZEIT, Roberto Blanco übernimmt das Feuilleton. Der Altredakteur holt seine Kettensäge hervor. Nimm das, Aktenschrank! In den Staub mit allen Feinden Brandenburgs! Patria o muerte! Aus dem siebten Stock naht der Redaktionsseelsorger mit der bewährten Zwangsjacke und verabreicht ein Löffelchen Laudanum. Halleluja, frohes neues Jahr. Und damit ist aber auch