Knappwurst, Blutwurst, Leberwurst. Am liebsten die grobe mit den großen Stücken. Da schneid ich dann immer richtig dick von weg. In der kleinen, verstaubten Fleischerei lehnt sich Willy Strube gegen farbige Kacheln und zählt Familienrezepte auf: Nicht zu vergessen die frische Bregenwurst

auf die werde ich heute noch angesprochen! Hier auf dem Moritzberg waren alle Metzger: der Großvater, der Vater. Auch Sohn Willy fuhr schon als Fünfjähriger mit auf den Schlachthof und hat natürlich das Geschäft übernommen. Heute ist Willy Strube schon in Rente. Doch nicht nur ein bisschen rüstig, sondern mit unermüdlicher Leidenschaft verkörpert der Hildesheimer unser ambivalentes Verhältnis zum Schwein.

Der Mensch nutzt das Tier, genauer: nutzt es hemmungslos aus

er kommt ihm mit Bolzen, Hackebeil und Schlachtermesser und weidet es aus, auch für medizinische Zwecke - einerseits. Andererseits verniedlicht und vermenschlicht er Schweine zu Babes und Miss Piggys, macht sie zu Hauptpersonen in utopischen Romanen, gründet einen Club der Schweinefreunde nebst Internet-Website und züchtet Minipigs, die man wie kleine Hunde zu Hause halten kann.

Diesen Zwiespalt lebt keiner so konsequent aus wie Willy Strube: Erst hab ich sie gemordet - jetzt sammle ich sie. Großvaters Metzgerei hat er nämlich nach seiner Pensionierung in ein Schweinemuseum umfunktioniert. So breitet sich heute zwischen alten Wurstmaschinen und rostigen Knochensägen, wo einst Koteletts und Rippchen über die Theke gereicht wurden, ein Rausch in Rosa aus: Schweine aus Gummi, Holz, Porzellan, Plastik, Brotteig, Schokolade, Ton. Grillhandschuh, Salzstreuer, Topflappen in Schweineform. Schweinebücher, Schweinefotos, Schweinespiele. Schweine unter der Decke, Schweine an der Wand. Schweinische Sprüche.

Erst hab ich sie gemordet ...

Ein Schwein pfeift. Ein kanadisches gibt Aerobic-Kommandos. Ein riesiges hat mal auf dem Jahrmarkt gedient, ein anderes das Dach eines Trabis geziert. Und an der Wand hängen, schaurig erhaben, ein Wildschwein- und ein in der Mitte gespaltener Zuchtschweinschädel, und der Besitzer all dessen schwärmt: Was es alles gibt! An die 900 Schweinereien umfasst die Sammlung Strube, und sie wächst unaufhörlich: Wenn ich eines sehe, und es ist nicht zu teuer, dann kaufe ich es. Manchmal habe ich es dann aber schon ...