Der Geruch von verbrannten Städten lag über dem Land

das Reich war untergegangen und mit ihm alles, was den Deutschen als Lebensinhalt galt.

Viele weinten: aus Selbstmitleid und vor Hunger. Männer, die gestern noch an den Endsieg geglaubt hatten, drehten ihre Zigaretten aus den Kippen der Sieger

Frauen tauschten ihre Hochzeitskleider beim Bauern für ein Stück Speck. Eine nicht ungewohnte Situation für ein Volk, das seit dem Dreißigjährigen Krieg von einer Not in die andere gefallen war. Die daraus resultierenden Mangel- und Hungertraumata waren im kollektiven Unterbewusstsein fest verankert und bestimmten den Stil der deutschen Küche.

Schmalhans wurde der Küchenmeister genannt, und kein Kind, dem nicht befohlen wurde: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt.

Also waren sie nicht unvorbereitet, die Überlebenden des "Tausendjährigen Reiches", als sie Kaffeebohnen auf dem Schwarzmarkt mit ihrem Familienschmuck bezahlen mussten. Überhaupt klagte niemand, solange er nur halbwegs satt wurde. Die Qualität der Sättigung spielte keine Rolle. Brei aus selbst gemahlenen Getreidekörnern, Brotsuppen und Steckrübengemüse schockierten höchstens sensible Kinder. Die Eltern waren froh, wenn solcher Schund ihnen half, die Brut vorm Verhungern zu bewahren.

Und sie erinnerten sich wehmütig an die kulinarischen Freuden, die sie früher genossen hatten. Die echte Buttercremetorte, das geräucherte Schweinekotelett, der Sauerbraten, das Ragout fin, der Gänsebraten zu Weihnachten, ein Krebseessen bei den Verwandten in Ostpreußen, der Dillaal aus dem Maschsee, Reibeplätzchen mit Apfelkraut, die Pfanne voll Speckkartoffeln - die Sehnsüchte der Hungrigen kreisten um lang entbehrte Dinge, deren herausragende Qualität ihre sättigende Deftigkeit war.