die zeit: Herr Lafontaine, wie erklären Sie es sich, dass viele Deutsche dem verfeinerten Essen skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen?

Oskar Lafontaine: Eine Erklärung wäre, dass unsere Zeit immer schneller wird und somit wenig Raum für das Genießen bleibt. Fast Food passt schon gut zu unserem Zeitgeist.

zeit: Die SPD hat sich lange Jahre nicht unbedingt als Speerspitze des Genießertums hervorgetan. Hat Sie das je gestört?

Lafontaine: Ach, ich glaube nicht, dass Parteien eine "Speerspitze des Genießertums" sein können. Diese Frage muss jeder Einzelne für sich beantworten.

zeit: Trotzdem dürfte sich das Essverhalten bekannter Politiker auf die Gesellschaft auswirken. Der einstige SPD-Vorsitzende Björn Engholm etwa kämpfte nicht nur für politische, sondern auch für kulinarische Kultur. Es bleibt auch nicht unbeachtet, dass Sie statt Saumagen lieber Steinpilze essen.

Lafontaine: Man kann immer wieder beobachten, dass Entscheidungen Prominenter Einfluss auf das Verhalten des Normalbürgers haben. So können modische Trends entstehen. Eine Zeit lang war die Lebensart der Toskana in Deutschland hoch geschätzt, dann gab es wieder Gegenströmungen

mich hat das alles wenig beeindruckt.