Man sollte ruhig auch den Statistiken misstrauen, die man selbst gefälscht hat. Gibt es überhaupt andere? Man fälscht ja doch immer fröhlich mit, auch wenn man selber noch kein einziges Kreuzchen in einen Fragebogen gemalt hat.

Es genügt, wenn zweibis dreitausend andere das jeweils tun. So ein Kreuzchenhaufen nennt sich dann repräsentativ, und schon ist man beim Fälschen dabei.

Wie soll man es sonst nennen, wenn auf komplexe Fragen meist nur pauschale Antworten erlaubt sind. Da wollte eine Umfrage jetzt zum Jahreswechsel wissen: War für Sie persönlich das Jahr 2000 ein gutes oder ein schlechtes Jahr? Hm - war alles bestens, mein Haus, mein Auto, mein Boot ... In diesem Sinne entschieden sich knapp 75 Prozent klar fürs Glücklichgewesenseinwollen.

Und das soll die Wahrheit und nichts als die volle Wahrheit sein?

Mancher hätte vielleicht gern etwas ausführlicher geantwortet, etwa so: "Morgens manchmal schrecke ich hoch und schreie, / ganz kurz nur, es geht rasch vorbei, aber dann tut es wirklich weh"

oder auch mal eine Gegenfrage würdig in den Raum gestellt: "WARUM KÖNNEN WIR BLOSS NIE / Nie / Geliebt werden?" Hat keiner gemacht.

Solche nackten Seinsfragen hat zum Jahrtausendwechsel überhaupt nur einer auf die Tagesordnung gesetzt: der Franzose Michel Houellebecq. Wenn der kleine verschüchterte Mann mit der zerbissenen Zigarette zwischen den Zähnen vor dicht gedrängen Reihen las: vom erbärmlichen Leben, vom fehlenden Dasein und Winter seiner Seele