Franz Beckenbauer hat es überliefert: Als taktische Einstimmung auf das Match der deutschen Fußballnationalmannschaft soll der frühere Bundestrainer Helmut Schön in der Kabine oft nur einen Satz gesprochen haben: "Geht raus und spielt." Die Mannschaft ging raus, spielte und wurde zwischen 1972 und 1974 zur besten, die die Deutschen je hervorbrachten. Daran hätte sich der Regisseur Peter Ensikat erinnern sollen, als er Thomas Brussigs Fußballtrainer-Monolog Leben bis Männer am Deutschen Theater Berlin inszenierte. Der Helden wie wir-Autor hatte eine präzise, in Passagen fast geniale Vorlage geliefert: einen linientreuen, ballbesessenen ostdeutschen Macho-Melancholiker und seinen Lieblingsschüler Heiko, den kompromisslosen Verteidiger an der Außenlinie von Staat und Spielfeld, dem das Kommando "Hau'n um!" zum Schicksal wird: von der Kindermannschaft, Knaben, Schüler, Junioren - bis "Männer". Dann kommt 1989, der Aufstieg steht an. Und der Mauerschützenprozess. Mit Jörg Gudzuhn als Fußballlehrer hat Ensikat einen Schauspieler, der weiß, wann er den Ball flach halten muss. Nur die Regie hetzt ihn von Kalauer zu Kalauer. Doch, wie man seit Netzer weiß, lassen sich große Spieler vom Trainer nur bedingt beeinflussen. So rettet Gudzuhn eine bereits verloren geglaubte Partie.