Welche Entwicklung die US-Börse im kommenden Jahr nimmt, daran haben Europäer und Asiaten ihren Anteil, vielleicht sogar einen entscheidenden.

Warum? Damit die Kurse nach oben gehen, braucht es Optimismus und Liquidität.

Vor allem die Sorge um Letztere ist begründet, hat doch der US-Aktienmarkt zurzeit mehr als zwei Billionen Dollar Kapitalisierung verloren. Alan Greenspan, der Vorsitzende der Notenbank Federal Reserve, hat das Problem erkannt. Er deutete an, dass die Währungspolitik gelockert werden könnte, um einer Wirtschaftsflaute entgegenzuwirken. Er appellierte an die Bankrevisoren, die zu Recht über die Zahlungsfähigkeit in einigen Branchen beunruhigt sind, nicht übereilt höhere Auflagen bei der Kreditvergabe zu fordern. Denn auch Wagniskapitalgesellschaften - vor ein paar Monaten mit Geld überhäuft - haben Mühe, um eine vorübergehende Finanzierung von High-Tech-Start-ups zu organisieren.

Amerikanische Privatanleger lassen keine Neigung erkennen, den Aktienmarkt zu retten: Viele sind nervös und investieren lieber in US-Schatzbriefe. Die wohlhabenden Amerikaner haben in diesem Jahr Papiere für 500 Milliarden Dollar verkauft, und sie gehörten ohnehin nie zu denen, die als Erste auf eine Hausse spekulierten. Die Mittelschicht investiert in Fonds, deren Manager sich erst einmal für die schlechten Margen rechtfertigen müssen. Und die Unternehmen? Sie haben wegen schrumpfender Gewinne nicht das Geld, in eigene Aktien zu investieren.

Übrig bleibt der "Rest der Welt", der im vergangenen Jahr 180 Milliarden Dollar, dreimal so viel wie zuvor, in amerikanische Aktien investiert hat (durch Fusionen erworbene Anteile sind nicht berücksichtigt). Bleiben europäische und asiatische Investoren beharrlich? Wegen der schwachem Inlandsnachfrage werden zunächst alle Augen auf Frankfurt, London, Tokyo und Singapur gerichtet sein.

Roger M. Kubarych ist Senior Fellow für internationale Ökonomie und Finanzen am Council on Foreign Relations