Wenn die Börsen Achterbahn fahren, brodelt die Gerüchteküche. Stürzen dann Aktien, die nicht nur am Neuen Markt, sondern auch an der amerikanischen Wachstumsbörse Nasdaq gehandelt werden, scheinbar grundlos ab, werden gerne große Verkaufsorders so genannter Hedgefonds für die Kursverluste verantwortlich gemacht.

Dies geschah in der vergangenen Woche zum Beispiel bei Intershop und Broadvision. Hedgefonds dürfen nämlich etwas tun, das Privatanlegern und Investmentfonds hierzulande verwehrt ist: Sie können Wertpapiere verkaufen, die sie gar nicht besitzen. Sie leihen sich Aktien, die sie für überbewertet halten, und verkaufen sie in der Absicht, sie später zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis wäre dann ihr Gewinn.

Die Möglichkeit des vor allem in den Vereinigten Staaten beliebten short selling ist jedoch nicht das Einzige, das Hedgefonds von den klassischen Publikumsfonds unterscheidet, die aus Gründen des Anlegerschutzes streng kontrolliert werden. Es existiert nämlich kein eindeutiges Regelwerk, das ihre Aktivitäten einschränkt. Prinzipiell gilt: Ein Hedgefonds kann alle Instrumente nutzen, welche die modernen Kapitalmärkte zur Verfügung stellen.

Dies reicht vom Kauf und Verkauf von Anleihen, Aktien und Rohstoffen bis zum Handel mit Derivaten - und zwar überall auf der Welt. Nach Schätzungen der Bundesbank waren 1998 auf der ganzen Welt 5500 Hedgefonds aktiv, die ein Gesamtvolumen - ohne Kredite - in der Größenordnung von 300 Milliarden US-Dollar verwalteten.

Bislang waren Hedgefonds-Engagements vermögenden Investoren vorbehalten. Wer weniger als eine Million Dollar sein Eigen nennt und nicht über ein Jahreseinkommen von 200 000 Dollar und mehr verfügt, hat in den USA so gut wie keine Chance, sich an einem Hedgefonds zu beteiligen. Wer aber diese Voraussetzungen erfüllt, der ist ab 100 000 Dollar dabei. Bei reichen Familien und Organisationen - unter ihnen auch große Pensionsfonds und einige US-Eliteuniversitäten - ist es üblich, zehn oder mehr Prozent des Anlagevermögens in Hedgefonds zu halten. Das Ziel ist, unabhängig von der Marktentwicklung Erträge zu erzielen und auch an fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen.

Tatsächlich konnte man so in der Vergangenheit höhere Renditen erzielen als mit einer klassischen "Kaufen und Halten"-Strategie und breit gestreuten Aktien- oder Anleiheportfolios - wenn man die richtigen Fonds auswählte und hohe Volatilitäten in Kauf nahm. Dies macht solche Investments aus Sicht deutscher Banken nun auch für hiesige Privatanleger interessant. Seit kurzem bieten deshalb die Deutsche und die Dresdner Bank Investment-Zertifikate an, die bereits ab einer Summe von 10 000 Euro die Beteiligung an einem Mix mehrerer Hedgefonds ermöglichen.

Die Anwendung der Leerverkauf-Methode allein macht noch keinen Hedgefonds aus. Sein Management baut meistens gleichzeitig Long-Positionen auf. Es kauft also Aktien, die seiner Meinung nach zu billig sind. So macht es - zumindest in der Theorie - die Entwicklung des Fondsvermögens weitgehend unabhängig von Markttrends. Denn die Gefahr von Kursverlusten bei Long-Positionen wird teilweise abgesichert durch die Chance, an den Short-Positionen zu verdienen.