Susanne Gaschkes wiederholte Abfälligkeitsausbrüche gegenüber technologischem Spielzeug fallen wohl unter freie Meinungsäußerung, alleine sachdienlich sind sie gerade nicht. In ihrem Artikel heißt es zu Beginn: "Immer stärker wird der Spielzeugmarkt seit einigen Jahren von hirnlosen Lizenzprodukten beherrscht."

Doch derartige Klischees halten nicht, was sie an Orientierung versprechen: Elektronik kann Plüsch sein und ein Roboter, eine Tastatur, ein Gadget eine gute, bedeutungsvolle Erzählung. Der Clou der Gadgets ist gerade nicht der Frageansatz, der in jeder Tamagotchi-Reportage einfältigsuggestiv wiederkehrte, nämlich ob das betreffende Kind denn eigentlich lieber ein "echtes" Haustier haben würde, worauf meist Verlegenheit folgte. Der so altklug reflektierende Erwachsenenverstand hinkt weit hinter den Gefühlen her. Es ist nämlich umgekehrt, aber man begreift nur schwer, dass heute eher Haustiere Ersatz für Tamagotchis oder Furbys oder Roboter sind.

Moralisierendes Kopfschütteln ignoriert das menschliche Phänomen der Aufladung von Objekten, wie es auch von klassischen Übergangsphänomenen bekannt (und anerkannt) ist. Hier herrscht doppelte Moral: Plüschobjekte, Schmusedecken und Kuscheltiere dürfen alle (Kinder) gerne lieben, Elektronik, Technik, Autos weniger. Warum eigentlich?

Susanne Gaschke formuliert zum Schluss ihres Artikels zwei "brauchbare Kontrollfragen": "Wird das Geschenk einen Überfluss vermehren, der nur im Überdruss des Kindes enden kann? Und: Hätte man selbst Lust gehabt, damit zu spielen?" Ad eins: Auch Brio-Bahn, Holztierbauernhof und Orffscher Instrumente kann man überdrüssig werden. Ad zwei: ja, ja, ja.

Dr. Bernd Beuscher Duisburg