Die großen Herbst- und Winterauktionen sind gerade vorüber, da glitzern am Horizont schon die Versteigerungen von Schmuck und Juwelen, die neben Impressionisten und teuren Möbeln zu den umsatzstärksten Bereichen gehören.

Bis Februar aber ist zunächst Pause im Betrieb, und es darf in Ruhe der Frage nachgegangen werden, wohin sich der Kunstmarkt an der Schwelle zum nächsten Millennium bewegt

ob er am Ende seine ästhetische Instanz an die Luxusgüterindustrie abgibt.

Mit diesen und anderen Thesen setzt sich das gerade erschienene Buch des Kunstmarkt-Experten Christian Herchenröder auseinander (Kunstmärkte im Wandel, Verlag Wirtschaft und Finanzen, 68,- DM). Es gibt nicht viele Bücher, die dem Außenstehenden Durchblick in den zunehmend von Verflechtungen und Fusionen gezeichneten Kunstmarkt vermitteln. Er ist zwar mit seinem Volumen von schätzungsweise 15 Milliarden Dollar im Jahr 1999 weltweit winzig im Vergleich mit Branchen wie der Automobilindustrie, aber mit einer unvergleichlichen Aura versehen. Doch scheint sie zunehmend mit Lifestyle und Konsum verwechselt zu werden. Die Sammler werden von den großen Auktionshäusern nicht nur mit opulenten Katalogen umworben. In den mehrfach im Jahr erscheinenden Hochglanzmagazinen wird das Kulturgut zwischen Werbung von Luxusmarken und Gesellschaftsklatsch angeboten. als gehöre jeder Kunde in den erlauchten Kreis der Berühmten und Reichen, stehe sozusagen auf Du und Du mit Paul McCartney, Claudia Schiffer oder Prinz Charles.

Und kein Wunder: Phillips gehört seit Ende 1999 der französischen Luxuswarengruppe LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) und Christie's dem französischen Wirtschaftsmagnaten und Sammler François Pinault. Allerdings war es die Aktiengesellschaft Sotheby's, die den Event- und Lifestyle-Rummel ins Rollen gebracht hatte. Hinter der Hand geben die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Häuser zu, diesen Boom sogar eher peinlich zu finden, weil sich ernsthafte Sammler von dem Konsum-Gehabe zunehmend abgestoßen fühlen und ihr Rückzug zu befürchten sei.

Auf viele solche Auswüchse verweist der Autor in seiner Analyse des vergangenen Jahrzehnts, das nach dem ungeheuren Boom der achtziger Jahre über sieben magere Jahre hinweg zu dem "ökonomisch regenerierten Markt" von heute führte. Er weiß, worüber er schreibt: Seit dreißig Jahren verfolgt Christian Herchenröder für das Düsseldorfer Handelsblatt das Geschehen auf Kunstmessen und Auktionen zwischen New York, London und Paris

auch das hinter den Kulissen. Sachlich, kenntnisreich, ohne Schnörkel und Sensationsgehabe, mit vielen Hintergrund-Informationen und Zahlen schlägt er ein paar Schneisen in das unwegsame Kunstmarktgelände. Manchmal wünschte man sich aber, er wäre mit seinem großen Hintergrundwissen nicht immer ganz so diskret umgegangen.