Ssst, ist er auch schon vorbei. Guck mal, Papa, ein Ferrari, ruft der Junge von hinten, das waren mindestens 250. Mindestens. Erstaunlich, was so ein flaches Ding für einen Wind macht. Die Böe hat den Wohnwagen erfasst, für Sekunden schlingern wir wie ein Schiff in schwerer See. Meine Hände schwitzen, wahrscheinlich weil ich das Lenkrad so fest gedrückt habe. Ich gucke in den Rückspiegel, ob noch einer kommt. Mal angenommen, ich würde dann kurz rüber auf die Überholspur. Dann hätte der auch Stress, wenn plötzlich eine fahrende Schrankwand vor ihm auftauchte. Ist natürlich nur so ein Gedanke, würde ich nie machen. Nachher knallt mir noch einer hinten in die Sitzgruppe. Ja: Die wahren Kapitäne der Straße fahren gemächliche 80, ziehen einen Wohnanhänger hinterher und zeichnen sich durch überlegene Friedfertigkeit aus.

Schreib das doch mal, hat ein Kollege gesagt. Weiß doch keiner, wie das so ist, mit Wohnwagen. Noch dazu im Winter. Gelächelt hat er dabei. Und sich wahrscheinlich vorgestellt, wie ich in der Trainingshose auf dem Klappstuhl sitze, Pudelmütze auf dem Kopf, Decke über den Knien. Hinter mir der Knaus, sieben Meter lang, 2,50 Meter breit. Vor mir eine Dose Bier. Weiß man doch, Camper sitzen immer draußen und tragen Trainingshosen. Wir haben da ein Imageproblem, räumt selbst Hans-Jürgen Burkert ein. Der ist immerhin Präsident des Verbandes Deutscher Wohnwagen-Hersteller.

Is' wegen der Kinder, sage ich. Kinder lieben Camping. Weil sie nichts mehr hassen als Hotelzimmer, wo ihnen das Zimmermädchen immer die Legosteine wegfeudelt. Und die schicke Finca im Hinterland? Die hassen sie ebenfalls.

Weil es ihnen nämlich furchtbar egal ist, ob abends die Sonne hinter den Olivenhainen verglüht oder hinter einem kastenförmigen Doppelachser von Eifelland in Weiß und Türkis. Den Unterschied sehen sie gar nicht.

Stattdessen fragen sie nur: Was soll ich'n hier machen? Und spätestens dann würden auch Sie die Finca hassen. Und bereit sein für den Campingplatz. Da gibt es keine Zimmermädchen, da gibt es nicht einmal Zimmer. Wenn sie Glück haben, gibt es Olivenbäume oder wenigstens mannshohe Büsche. Sollten Sie drauf achten, weil Sie sonst nämlich das Gefühl haben, auf einem Parkplatz Urlaub zu machen. Den Kindern wird das nicht weiter auffallen. Die sind sowieso den ganzen Tag weg. Genau das ist nämlich der große Vorteil von Campingplätzen: Kinder gibt es dort in der Regel in rauen Mengen. Und vom ersten Tag an haben sie kaum noch Zeit für ihre Eltern.

Wussten Sie eigentlich, dass Goethe auch mit dem Wohnwagen verreist ist?

Doch, doch, 1792 nach Valmy. Goethe selbst hat seinem Eckermann zwar vorgemacht, er habe dort die Nächte in einem unbequemen Zelt auf dem Boden verbracht. Aber in Wirklichkeit, behaupten Augenzeugen, habe er sich zur Schlafenszeit in einen mit Pferden bespannten Wohnwagen zurückgezogen, ausgestattet mit Diwan, Schreibtisch und Waschlavoir in Porzellan. Warum Goethe das nicht zugegeben hat? Wahrscheinlich fürchtete er um seinen Ruf, wenn sich die Leute ihn in Trainingshosen auf einem Klappstuhl vorstellten.