Als Referendarin an einem Gymnasium habe ich Ihre diversen Beiträge zum Thema Schule in den letzten Wochen mit Interesse verfolgt. Der oben genannte Artikel aber veranlasst mich jetzt doch, ein paar Worte einzuwenden. Nicht alles, was in der ZEIT als innovative, arbeitsmarktdynamische, moderne Reformmaßnahme hochgelobt wird, ist im geringsten praktikabel.

Herr Spiewak fordert da zum Beispiel die dynamische Bezahlung für Lehrer - aber nicht nach Leistung, sondern nach Bedarf. Für mich als Deutschlehrerin wäre es nichts weniger als motivierend, als wenn Chemie-, Physik- und Informatiklehrer, die einen Bruchteil der Korrekturen, teilweise deutlich weniger Vorbereitungszeit und kaum Kosten für Bücher auf sich nehmen müssen, dann auch noch besser dafür bezahlt werden. Auch der Vorschlag, Kurzausbildungen für frisch angelockte Studierende herbeizuführen, ist nicht gerade Wasser auf die Mühlen der Referendare und Referendarinnen, die sich trotz Magengeschwüren, Hörstürzen, Nervenzusammenbrüchen und dergleichen mehr durch zwei Jahre Dauerstress und Ausbildungshorror gequält haben, die 60-Stunden-Woche für 1800 Mark durchstehen und trotz allem den Job noch machen wollen.

Drittens frage ich mich, wie Sie es vertreten können, Leute, die eigentlich nie Lehrer werden wollten, die keine Lust auf Kinder haben, die nur ein Fach studiert haben, die in der Industrie keinen Arbeitsplatz bekommen, weil sie zu schlecht sind, durch hohe Bezahlung in die Schule locken zu wollen?

Silke Hof, per E-Mail

Komisch, dass man immer meint, dass jeder, der Fachwissen besitzt, durchaus in der Lage ist, dieses auch an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen. Vermittlung von Wissen, und darum geht es in den Schulen immer noch, kann nicht von jedem gleich gut realisiert werden.

Angenommen, es gibt Fachkräfte die gerne in die Schulen wollen, dann muss man sich darüber klar sein, dass diese Leute nicht durch ein paar pädagogische Seminare zu vollwertigen Lehrern mutieren. Diese Studenten und Rentner, wie sie in NRW teilweise schon in den Schulen arbeiten, sind keine Problemlösung.

Dort, wo Fachkräfte hauptsächlich fehlen, in den berufsbildenden Schulen, können diese Leute zumeist nicht bestehen.