Die Krise in der Türkei kündigte sich an: In den vergangenen Monaten wurden nach und nach zehn Kreditinstitute praktisch von der Bankenaufsicht des Landes übernommen. Gerüchte über mögliche Zusammenbrüche der Geldhäuser beunruhigten die Investoren. Der türkische Aktienindex ISE befand sich schon seit Anfang des Jahres auf Talfahrt. Doch erst die Festnahme einiger türkischer Banker wegen Korruptionsverdachts versetzte die Anleger Ende November in Aufruhr. Innerhalb weniger Tage stiegen die Zinssätze in den vierstelligen Bereich. Die Börse in Istanbul büßte zeitweilig mehr als 40 Prozent nicht zuletzt deshalb ein, weil die Manager der Aktienfonds für Emerging Markets - also für die Schwellenländer zwischen Industrienationen und Dritter Welt - ihr Geld aus der Türkei abzogen.

Dies zeigt auch die Fondsumfrage des Münchner Forschungsinstituts Südprojekt im Auftrag der ZEIT unter zwölf Emerging-Markets-Fonds internationaler Anlagegesellschaften. Um ein Fünftel reduzierten die befragten Fondsmanager ihr Türkei-Engagement seit Oktober. Die DWS, Fondstochter der Deutschen Bank, stieg sogar ganz aus Türkei-Aktien aus. Thomas Gerhardt, Leiter des Emerging-Markets-Fonds der DWS, befürchtet eine Rezession wegen der strikten Auflagen, die der Internationale Währungsfonds dem Land machte. Michael Konstantinov, Fondsmanager für Emerging Markets bei der Dresdner-Bank-Tochter DIT, ist da optimistischer: "Die Türkei sollte in der Lage sein, nötige Reformen durchzuziehen und gestärkt daraus hervorzugehen."

Dass die Situation in den Schwellenländern insgesamt momentan schwierig ist, beweist die im Vergleich zum September um 60 Prozent gestiegene Liquiditätsquote der Emerging-Markets-Fonds. Die Fondsmanager legen das ihnen anvertraute Geld also lieber auf ein Bankkonto, weil sie glauben, dass Investitionen in Schwellenländern wenig Gewinn bringen. DWS-Manager Gerhardt bezeichnet die allgemein unsichere Börsenlage als den Hauptgrund für die Zurückhaltung. Sie wirke sich gerade in dem riskanteren Segment der Emerging Markets stark aus. Philip Ehrmann, Leiter der Emerging-Markets-Abteilung der Investmentgesellschaft Gartmore, fürchtet durch einen drohenden Abschwung in den Vereinigten Staaten eine Gefahr für exportorientierte Schwellenländer.

"Speziell Mexiko und Taiwan" seien sehr stark von der US-Wirtschaft abhängig.

Die besten Chancen räumen die Fondsmanager noch Asien ein: Über 40 Prozent des ihnen anvertrauten Kapitals haben sie dort investiert. Vor allem China interessiert sie - und die Aktien von China Mobile. Im bevölkerungsreichsten Land der Erde gäbe es noch einen großen Markt für Mobilfunk. Insgesamt aber seien auch in China die Börsenkurse stark gestiegen. Viele Aktien gelten als verhältnismäßig teuer.

In Europa hingegen wollen Fondsmanager auf der sicheren Seite sein. Die EU-Beitrittskandidaten Ungarn und Polen gehören hier momentan zu den Lieblingen. "Wir setzen auf den Annäherungsprozess der Länder an die Europäische Union", sagt DWS-Fondsmanager Thomas Gerhardt. Die Situation in Russland sehen die Anlagespezialisten dagegen kritisch. DIT-Manager Michael Konstantinov: "Das Land kommt sicher wieder, allerdings hängt die Einschätzung der Marktteilnehmer stark vom Ölpreis ab. Außerdem ist der Schutz von Minderheitsaktionären dort noch unterentwickelt." Markus Knauf