Die Entrüstung ist allzu verständlich: Neun Jahre lang hat sich niemand daran gestoßen, dass die Gauck-Behörde Stasi-Unterlagen über Hunderte von ostdeutschen Spitzenpolitikern, Regimegegnern und Prominenten herausgegeben hat. Reinhard Höppner, Bärbel Bohley, Kati Witt - sie alle wurden belauscht und haben es sich als so genannte "Personen der Zeitgeschichte" ohne rechtliche Gegenwehr gefallen lassen, dass abgehörte Gespräche nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz an die Öffentlichkeit gelangten. Ein Gesetz, dem der damalige Kanzler Kohl ausdrücklich zustimmte, das er jetzt aber bekämpfen will, da es um die Herausgabe der eigenen Stasi-Akten geht.

In Deutschland wird nach wie vor mit zweierlei Maß gemessen. Und dennoch hat Innenminister Schily Recht, wenn er die Freigabe der illegal abgehörten Kohl-Gespräche verhindern will. So zweideutig der Wortlaut des Stasi-Unterlagen-Gesetzes auch sein mag: Illegal gesammelte Informationen dürfen nicht gegen den erklärten Willen und zulasten der Bespitzelten veröffentlicht werden. Dies verstieße gegen das Grundgesetz. So bitter es nach neun Jahren auch ist: Im Unrecht gibt es keine Gleichheit. mak