Bovine spongiforme Enzephalopathie sogar in Bayerns rassereinen Gauen - und allerorten schweres Gebarme, dass es so nicht weitergehe mit der Tierhaltung und Europens Agroindustrie. Ganz neu nachdenken wollen jetzt alle, gerade auch über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Und selbst in den Blättern für das gehobene Räsonnement und Ressentiment, wo man sich sonst gern darin gefällt, alles, was irgend das affröse Wörtlein öko im Namen führt, feixend zu pincenezieren, gibt man sich neuerdings merklich erschüttert und lässt dienstbare Seminaristen dem "Metzger in der Literatur" nachforschen: Schon bei Shakespeare und so weiter.

Dabei: Wer hat sich nicht alles Gedanken gemacht über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier?! Wie viele Philosophen der Antike und Denker der Neuzeit!

Nüchterne Biologen, empfindsame Lyriker, kämpferische Romanciers! Darwin sei genannt, Schopenhauer, Zola, Hans Henny Jahnn. Oder Tolstoj: "Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben."

Ganz neu nachdenken? Tatsächlich? Wie oft denn noch? Gern erinnern wir hier auch an jüngste Mahnungen und Aufklärungen, an Horst Sterns Fernsehfilme zum Beispiel. Oder an Dieter E. Zimmers Artikel in dieser Zeitung gegen den Wahnsinn der so genannten Legebatterien (der selbstverständlich fröhlich weitergeht). Und dito gern halten wir diesen trefflichen kleinen Traktat hoch, den die Asku-Presse, Bad Nauheim, bereits 1997 in einem geradezu pittoresk schön gemachten Bändchen neu herausgebracht hat: Gerechtigkeit gegen Thiere. Verfasst hat ihn 1787, 1787!, der Mainzer Philosophieprofessor Wilhelm Dietler. Obwohl er nun wahrlich nichts von den Monstrositäten unserer Zeit ahnen konnte, zeigt sein "Appell" in trockener Schärfe einmal mehr die Misere.

Ganz im Stil aufklärerischer Abhandlungen, wie sie damals zwischen Paris und St. Petersburg zu Myriaden produziert wurden, wägt Dietler im klaren Lichte der Vernunft jedes Pro und jedes Contra sorgfältig ab. Einerseits, unbestritten: das Recht des Menschen, Tiere zu töten - wenn sie ihn bedrohen und zur Ernährung (schließlich hat auch das Raubtier seinen Platz in der Schöpfung). Gleichwohl sind dem Menschen Pflichten auferlegt. Oder, andersherum: Auch das Tier hat Rechte, nicht zuletzt das Nutztier, das Haustier.

Dietler ist wohl der Erste, der das große Wort niederschreibt: "Thierrechte".

Die Kreatur hat ein Recht darauf, gut behandelt und (selbst im Fall der Schlachtung) nicht gequält zu werden. Dietler nennt englische Autoren seiner Zeit als Wegweiser, Humphry Primatt und Soame Jenyns. Und auch den originellen Glücksphilosophen Jeremy Bentham erwähnt die Herausgeberin des Büchleins, Manuela Linnemann, in ihrem kundigen Nachwort