Wer ist der erfolgreichste Automann im Land?

Bilanz 2000: Der kleinste Autohersteller in Deutschland ist der größte.

Sowohl bei der Rendite als auch bei der Entwicklung des Aktienkurses hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erneut all die großen abgehängt. Die 911er und Boxster wurden den Händlern regelrecht aus den Händen gerissen. Auch 2001 könnte ein gutes Jahr für die Sportwagenschmiede in Stuttgart-Zuffenhausen werden, vorausgesetzt, der für Porsche enorm wichtige amerikanische Markt bringt keine böse Überraschung. Die Nagelprobe für Wiedeking kommt allerdings erst im Jahr 2002, wenn der neue Porsche Cayenne für Pfeffer im Geländewagenmarkt sorgen soll.

Münchner Kapriolen

Im Frühjahr 2000 hätte kaum jemand darauf gewettet, dass Joachim Milberg dieses Silvester noch als Vorstandsvorsitzender der BMW AG erleben würde.

Jetzt aber kann der Produktionsexperte das beste Jahresergebnis in der Geschichte des Unternehmens präsentieren. Nach den bitteren Lehren des gescheiterten Rover-Engagements wollen die Bayern jetzt ganz und gar die Finger vom automobilen Massenmarkt lassen. Premium pur ist - wieder - angesagt: 2001 kommt das Flaggschiff, der 7er völlig runderneuert auf den Markt, er soll genauso wie der "New" Mini den Absatz zusätzlich ankurbeln.

Heftig gearbeitet wird zudem am neuen kleinen, noch namenlosen BMW, der in der Golf-Klasse reüssieren soll. Er wird wie alle BMW Heckantrieb haben, kommt allerdings wie ein völlig neu konzipierter Rolls-Royce frühestens im Jahr 2003.

Das Risiko von Milbergs Strategie: Gut zwei Drittel aller verkauften BMW-Fahrzeuge entfallen derzeit auf die 3er-Reihe. Und genau dort bläst die Konkurrenz mit neuen, sportlichen Modellen zum Angriff. Mercedes mit der C-Klasse, Audi mit dem A4 und der neue kleine Jaguar (X-Type).

Wer ist der erfolgreichste Automann im Land?

Wolfsburger Superlative

Immer für eine Überraschung gut ist VW-Konzernchef Ferdinand Piëch. Soeben hat er verkündet, dass er einen Bugatti mit mehr als 1000 PS auf die Menschheit loslassen will. Sowieso hat der Österreicher bis zu seinem voraussichtlichen Wechsel in den Aufsichtsrat im Jahr 2002 noch Großes vor in der Luxusklasse. Ein Passat mit 8 Zylindern soll als Erstes in der gläsernen Fabrik in Dresden vom Band laufen, danach kommt der neue Super VW ("D1") als Konkurrent für Mercedes-S-Klasse und 7er-BMW sowie der gemeinsam mit Porsche entwickelte Luxusgeländewagen Colorado. Ob es VW als Marke schafft, sich im Premiumsegment zu etablieren, wird spannend zu beobachten sein.

Wichtiger allerdings erscheint das Abschneiden im angestammten Markt der Golf, Polo und Lupo. Die Schwäche im deutschen Markt konnte VW im Jahr 2000 durch verstärkten Absatz im übrigen Westeuropa und in Nordamerika kompensieren. Erfreulich entwickelte sich auch die Tochter Skoda, die mit gefälligem Design und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis im flauen deutschen Markt zu den Gewinnern zählte. Bei Seat muss Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder noch zeigen, ob er den Aufwärtstrend stabilisieren kann. Pischetsrieders schwierigerer Job dürfte allerdings in seiner Zweitfunktion als oberster Qualitätswächter im VW-Konzern liegen. Wenn er hier die in jüngster Zeit offenkundig gewordenen Defizite rasch abstellen kann, dürften seine Chancen als möglicher Piëch-Nachfolger im Jahr 2002 steigen.

Wieder aufwärts zeigt auch die Kurve von Audi . Nachdem die Krise um den schleuderanfälligen Sportwagen TT bewältigt scheint, setzt Audi-Chef Franz-Josef Paefgen wieder auf Expansion. Demnächst kommt der erste 12-Zylinder-Audi fürs Prestige, und für höhere Stückzahlen stehen der kleine Alu-A2 als sparsamer Diesel und der gerade neu gestaltete A4.

Alle Marken zusammen haben Konzernchef Piëch jedenfall in diesem Jahr ein Rekordergebnis beschert, und der Chef hat für die kommenden Jahre noch bessere Renditen angekündigt. Ob alle Träume aufgehen, hängt auch davon ab, ob die im vergangenen Jahr schwächelnden Rivalen Ford und Opel mit ihren neuen Modellen wieder an alte Erfolge anknüpfen können.

Stuttgarter Bescherung

Wie froh könnte Jürgen Schrempp in diesen Tagen sein, wenn er nur die Zahlen der Marke Mercedes-Benz zu verantworten hätte. Die Autos mit dem Stern gehen derzeit besser weg denn je und spülen auch schöne Gewinne in die Kassen von Finanzchef Manfred Gentz. In Deutschland lag der DaimlerChrysler-Konzern, gemessen am Marktanteilen, nach VW sogar auf dem zweiten Rang. Selbst der Winzling Smart verkauft sich - nachdem er einen gewissen Kultstatus erreicht hat - richtig gut.

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Aber da ist ja noch die Chrysler Group, und die hat dem DaimlerChrysler-Chef in diesem Jahr kräftig die Bilanz verhagelt. Die Autos der Marken Chrysler, Plymouth, Dodge und Jeep können im US-Markt derzeit fast nur mit kräftigen Rabatten losgeschlagen werden, entsprechend dahingeschmolzen sind auch die Gewinne. Jetzt soll es Dieter Zetsche, ehemaliger Lkw-Spartenchef bei den Stuttgartern, im Detroiter Vorort Auburn Hills richten. Schnelle Einsparungen könnten vor allem Zugeständnisse der Zulieferer bringen, aber auch Fabrikschließungen und Personalabbau in den USA scheinen kaum zu vermeiden sein. Bei künftigen Modellen müssen die Chrysler-Leute nach der Vorgabe aus Stuttgart eng mit Mitsubishi und Hyundai zusammenarbeiten. An beiden Unternehmen ist der DaimlerChrysler-Konzern beteiligt. Und der geplante viersitzige Smart wird wohl als deutsch-japanisch-koreanische Coproduktion in den Niederlanden vom Band laufen.

Bis sich aus dieser Allianz allerdings die erhofften Synergien ergeben, dürften noch Jahre vergehen. Schrempp und Gentz haben deshalb auch vorsorglich in einem Aktionärsbrief gewarnt, dass das Jahr 2001 noch schwieriger als das laufende Jahr werden wird. Schrempp ist darauf angewiesen, dass die Anteilseigner hinreichend Geduld mitbringen - und dass die Klage von Kirk Kerkorian ohne Erfolg bleibt. Der Milliardär und DaimlerChrysler-Großaktionär fühlt sich nämlich durch die Stuttgarter bei der Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler vor zwei Jahren durch falsche Angaben ("merger of equals") getäuscht.

Ärger in Rüsselsheim

Richtig aufgeregt haben sich die Betriebsräte in Rüsselsheim über die jüngste Botschaft aus dem General-Motors-Hauptquartier Detroit. Konzernchef Richard Wagoner hat nämlich dem gesamten Konzern eine rigorose Sparkur verordnet. Bei den europäischen GM-Töchtern Opel und Vauxhall soll kräftig Personal eingespart werden. Schlimmer als Opel wird es jedoch die britische Schwester Vauxhall treffen, deren Kostenstruktur zusätzlich durch den hohen Pfundkurs belastet wird. Dass die GM-Töchter auch im vergangenen Jahr zu den Verlierern im europäischen Automarkt zählten, liegt zu einem guten Teil daran, dass die US-Mutter dort in den vorhergegangenen Jahren an der falschen Stelle - etwa bei der Modellentwicklung - gespart hat. Büßen muss das der derzeitige Opel-Chef Robert Hendry, dessen Nachfolger schon verpflichtet ist. Carl-Peter Forster, der im Frühjahr nach nur einjähriger Amtszeit als Produktionsvorstand in München von BMW-Chef Joachim Milberg gefeuert wurde, wird viel Arbeit haben. Die Stoßrichtung scheint zumindest schon klar. Opel will mit innovativen Modellen wie dem Verkaufsrenner Zafira verlorenen Boden gutmachen. Funktionalität in originelles Design verpackt, soll verlorene Opel-Kunden wiederbringen.

Kölner Aufholjagd

Ganz unten in Sachen Marktanteile müssen die Ford-Leute im kommenden Jahr anfangen. Ähnlich wie bei Opel hat die Marke in Deutschland und Europa auch durch die Fehlsteuerung der amerikanischen Konzernstrategen unaufhaltsam Marktanteile verloren. Konzernchef Jac Nasser erhofft sich von einer Modelloffensive ein Comeback der Traditionsmarke. Zumindest der gelungene neue Mondeo könnte für Europa-Chef Nick Scheele ein positiver Anfang sein.

Jac Nasser hat aber noch ein weiteres Eisen im Feuer. Mit der in den vergangenen Jahren zusammengekauften Premier Automotive Group (PAG) will er kräftig im Premiummarkt mitmischen. Zur PAG gehören die Marken Jaguar, Lincoln, Aston Martin, Volvo und seit kurzem auch Land Rover. Als Chef der Ford-Luxusabteilung fungiert Wolfgang Reitzle. Der ehemalige BMW-Entwicklungschef will den Platzhirschen Mercedes, BMW und Audi mit seiner Markenpalette kräftig einheizen. Dietmar H. Lamparter