Aber da ist ja noch die Chrysler Group, und die hat dem DaimlerChrysler-Chef in diesem Jahr kräftig die Bilanz verhagelt. Die Autos der Marken Chrysler, Plymouth, Dodge und Jeep können im US-Markt derzeit fast nur mit kräftigen Rabatten losgeschlagen werden, entsprechend dahingeschmolzen sind auch die Gewinne. Jetzt soll es Dieter Zetsche, ehemaliger Lkw-Spartenchef bei den Stuttgartern, im Detroiter Vorort Auburn Hills richten. Schnelle Einsparungen könnten vor allem Zugeständnisse der Zulieferer bringen, aber auch Fabrikschließungen und Personalabbau in den USA scheinen kaum zu vermeiden sein. Bei künftigen Modellen müssen die Chrysler-Leute nach der Vorgabe aus Stuttgart eng mit Mitsubishi und Hyundai zusammenarbeiten. An beiden Unternehmen ist der DaimlerChrysler-Konzern beteiligt. Und der geplante viersitzige Smart wird wohl als deutsch-japanisch-koreanische Coproduktion in den Niederlanden vom Band laufen.

Bis sich aus dieser Allianz allerdings die erhofften Synergien ergeben, dürften noch Jahre vergehen. Schrempp und Gentz haben deshalb auch vorsorglich in einem Aktionärsbrief gewarnt, dass das Jahr 2001 noch schwieriger als das laufende Jahr werden wird. Schrempp ist darauf angewiesen, dass die Anteilseigner hinreichend Geduld mitbringen - und dass die Klage von Kirk Kerkorian ohne Erfolg bleibt. Der Milliardär und DaimlerChrysler-Großaktionär fühlt sich nämlich durch die Stuttgarter bei der Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler vor zwei Jahren durch falsche Angaben ("merger of equals") getäuscht.

Ärger in Rüsselsheim

Richtig aufgeregt haben sich die Betriebsräte in Rüsselsheim über die jüngste Botschaft aus dem General-Motors-Hauptquartier Detroit. Konzernchef Richard Wagoner hat nämlich dem gesamten Konzern eine rigorose Sparkur verordnet. Bei den europäischen GM-Töchtern Opel und Vauxhall soll kräftig Personal eingespart werden. Schlimmer als Opel wird es jedoch die britische Schwester Vauxhall treffen, deren Kostenstruktur zusätzlich durch den hohen Pfundkurs belastet wird. Dass die GM-Töchter auch im vergangenen Jahr zu den Verlierern im europäischen Automarkt zählten, liegt zu einem guten Teil daran, dass die US-Mutter dort in den vorhergegangenen Jahren an der falschen Stelle - etwa bei der Modellentwicklung - gespart hat. Büßen muss das der derzeitige Opel-Chef Robert Hendry, dessen Nachfolger schon verpflichtet ist. Carl-Peter Forster, der im Frühjahr nach nur einjähriger Amtszeit als Produktionsvorstand in München von BMW-Chef Joachim Milberg gefeuert wurde, wird viel Arbeit haben. Die Stoßrichtung scheint zumindest schon klar. Opel will mit innovativen Modellen wie dem Verkaufsrenner Zafira verlorenen Boden gutmachen. Funktionalität in originelles Design verpackt, soll verlorene Opel-Kunden wiederbringen.

Kölner Aufholjagd

Ganz unten in Sachen Marktanteile müssen die Ford-Leute im kommenden Jahr anfangen. Ähnlich wie bei Opel hat die Marke in Deutschland und Europa auch durch die Fehlsteuerung der amerikanischen Konzernstrategen unaufhaltsam Marktanteile verloren. Konzernchef Jac Nasser erhofft sich von einer Modelloffensive ein Comeback der Traditionsmarke. Zumindest der gelungene neue Mondeo könnte für Europa-Chef Nick Scheele ein positiver Anfang sein.

Jac Nasser hat aber noch ein weiteres Eisen im Feuer. Mit der in den vergangenen Jahren zusammengekauften Premier Automotive Group (PAG) will er kräftig im Premiummarkt mitmischen. Zur PAG gehören die Marken Jaguar, Lincoln, Aston Martin, Volvo und seit kurzem auch Land Rover. Als Chef der Ford-Luxusabteilung fungiert Wolfgang Reitzle. Der ehemalige BMW-Entwicklungschef will den Platzhirschen Mercedes, BMW und Audi mit seiner Markenpalette kräftig einheizen. Dietmar H. Lamparter