In einem Brief schrieb sie: Der längst gewünschte Frieden hat uns alle in einen angenehmen Zustand versetzt. Wir waren exaltirt ohne recht deutlich zu wissen, was wir dabey gewönnen

und kann man auch eigentlich recht glücklich seyn, wenn man sieht, wie der Nachbar leidet? - Dem sey wie ihm wolle. Das herrliche Wort Frieden hat einen so großen Zauber, die Gewißheit, daß durch ihn ein Theil der Leiden endeten, die der unseelige Krieg veranlaßte, machte daß wir Freude trunken waren, ohne uns durch Untersuchungen in unserm Genuß stören zu lassen.

Die Tage, die Napoleon hier verweilte, waren äußerst merkwürdig. Das Zuströmen der Menschen aus allen Ständen, die hierher kamen ihn zu sehen, worunter sehr viele waren, die berühmt und ausgezeichnet sind, das Leben und die Tätigkeit, die von früh bis auf den Abend auf den Straßen war, gab eine eigene fröhliche Stimmung, die schwer zu schildern ist. Wir haben ihn einmal und sehr gut gesehen, und sind nachher in unserer gewöhnlichen Ruhe geblieben. Er kam auf die Gallerie, wo wir ihn sehr nahe sehen konnten. Er ist weit hübscher und angenehmer wie alle Porträts, so man von ihm hat.

Ich erwartete Strenge in seinen Zügen, einen unsteten Blick oder öftern Wechsel in seinem Gesicht. Wie wurde ich überrascht, wie ich bey einem feurigen tiefdenkenden Auge, welches einen ganz unbeschreibbaren Ausdruck hat, die größte Ruhe und ungemeine Freundlichkeit in den übrigen Zügen fand!

Er schien nur mit den Gemählden beschäftigt, verweilte sich ohne Zwang dabey und wurde durch das unbescheidene Zudrängen der Menschen weder gestört, noch unruhig oder verlegen gemacht.

Es freute mich unendlich, ihn so gesehen zu haben: Ich möchte mir so gern bey seiner Größe auch Güte denken. Deshalb habe ich auch nachher gar nicht gesucht ihn wieder zu sehen, weil ich den Eindruck, den er auf mich gemacht, gern rein erhalten möchte. Er schien sich hier zu gefallen, wovon er unserm König viele kleine Proben gegeben hat. Unser König nimt sich vortreflich

durchaus rechtschaffen wie immer und ohne Falsch.