Herzlich Willkommen im Neuen Jahr. Es beginnt mit einer wissenschaftlichen Theorie, die am 5. Januar 2001 in "Science" veröffentlicht werden wird, also im wöchentlichen Wort der Wahrheit und Weisheit, herausgegeben von der American Association for the Advancement of Science . Und zwar handelt es sich um einen Aufsatz des Chemikers Terrence J. Collins von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh.

Zu Pittsburgh wäre, kleine Abschweifung, anzumerken, dass der geniale Komiker W.C. Fields sich für seinen Grabstein die Aufschrift "Lieber hier als in Pittsburgh" ausbedungen hatte. Ich halte mich da zurück, denn meine Schwester wohnt in Pittsburgh, und die ist sehr nett und trinkt noch dazu gerne gute Weine. Ende der Abschweifung.

Herr Collins jedenfalls stellt in der kommenden Ausgabe von "Science" fest, dass die Natur und der Mensch auf höchst unterschiedliche Art und Weise Chemie betreiben. Die Natur arbeite mit sehr wenigen, in der Umwelt vorgefundenen Elementen und kombiniere sie zu einer Vielzahl verschiedener biochemischer Prozesse. Der Mensch hingegen ist nicht so erfindungsreich, aber dafür benutzt er viel mehr Elemente. Was die Umwelt verschmutzt. Er sollte es lieber wie die Natur halten, meint Terrence Collins.

Es regt sich die Ungeduld: Was soll das mit "Genießen" zu tun haben, dem Thema dieser Kolumne?
Gemach.
Collins fordert eine umweltfreundlichere Chemie: weniger Elemente, mehr Einfallsreichtum. Tja, und just das ist das Geheimnis der guten Küche von heute. Es gab eine Zeit, da mussten feine Speisen aus vielerlei Zutaten zusammengestellt werden, und an Kräutern und Gewürzen und Aromaten wurde nicht gespart, immer hinein damit ins Potpourri! Das ist vorbei. Wenige Zutaten, vielleicht ein spezielles Gewürz, und alles basiert auf Frische, sorgfältiger Bearbeitung (schneiden, würfeln und was nicht alles), gutem Timing und idealer Zusammenstellung. Die gute Küche unserer Zeit ist einfach, ohne primitiv zu sein, und raffiniert, ohne überladen zu wirken.

Ich habe einen Freund, der von sich behauptet, einen einfachen Geschmack zu haben: "Wasser für zwei Pfennig, Salz für fünf Pfennig, Olivenöl für zehn Pfennig, Spaghetti für eine Mark und weiße Trüffel für hundert Mark." Wohl dem, der solche Freunde hat. Zur Zeit ist Saison für die schwarzen Trüffeln aus dem Périgord. Auch sie sind blödsinnig teuer. Was also tun? Machen Sie sich ein Püree aus Pellkartoffeln, und verwenden Sie - außer der obligaten Butter - ein ganz klein wenig Trüffelöl zum Parfümieren (lassen Sie sich vom Italiener Ihres Vertrauens unbedingt gutes Trüffelöl empfehlen; es kommt in so winzigen Flakons und ist dermaßen sparsam zu verwenden, dass es Ihre Kasse nicht ernstlich belasten kann). Das getrüffelte Püree ist ein eigener Gang oder sogar ein kleines Abendessen - in dem Fall würde ich noch ein bisschen Parmesan drauftun, vielleicht auch ein paar dünne Schinkenscheiben daneben legen. Und einen Pinot Noir zum Essen einladen.

Zu Weihnachten aßen meine Frau und ich einen Kapaun (ein kastriertes Masthähnchen). Wir waren uns erst nicht ganz einig, ob er gebraten oder pochiert werden sollte. Die Bratfraktion setzte sich durch. Mitsamt seiner feuchten Brotfülle bot er uns ein intensives Huhngefühl. Gegen meine Gewohnheit tranken wir keinen Weißwein aus der Bourgogne dazu, sondern einen 1985er Amarone. Dabei handelt es sich um Rotwein aus Valpolicella, dessen Trauben eine Zeit lang auf Strohmatten eingetrocknet wurden. Amarone kann bis zu 16 Prozent Alkohol aufweisen und lohnt das Lagern mit strengen, süßen, traubigen Aromen. Alles in allem ein Festmahl aus wenigen Ingredienzien.

Weniger Zutaten, mehr Sorgfalt und Einfallsreichtum - das Collins'sche Gesetz. Wir fangen damit schon mal in der Küche an: Das soll unser Vorsatz fürs neue Jahr sein.