Weltweit geht die Nachfrage nach Atomkraftwerken zurück. Neue Aufträge bleiben aus. Tschernobyl machte dicht. Deutschland stieg aus. Produzenten wie ABB und Westinghouse verabschieden sich aus dem Geschäft. Wer würde noch einen Pfifferling auf Atomkraftaktien setzen?

Jenseits des Rheins arbeitet man an der Umkehr des Trends. Frankreich versucht mit Inbrunst, den unangefochtenen Weltmarktführer der Atomwirtschaft zu schaffen. Topco heißt das Gebilde. Die Holding besteht im Wesentlichen aus einer Neuordnung des unter Präsident Charles de Gaulle geschaffenen Nuklearkomplexes. Und der deutsche Multi Siemens schob dem Konzern seine verlustträchtige Nuklearsparte KWU unter, die seit Ende 2000 offiziell zu Topco gehört.

An der Spitze des gallischen Atom-Champions steht eine 41 Jahre junge Frau: Anne Lauvergeon. Sie will der Nuklearindustrie ein attraktives Image verpassen, vor allem bei Jugendlichen. Sorgen muss sie sich nicht: Vier von fünf Franzosen befürworten die Kernkraft.

Auch in Indien, China, Indonesien oder den Philippinen, den von Topco anvisierten Exportländern, sieht man die Industrie eher positiv. Mit ihrer Hilfe wollen die Schwellenländer energiepolitisch unabhängig werden. Doch da liegt nicht das einzige Geschäftsfeld für den Weltkonzern. Zudem will er dabei sein, wenn viele Industriestaaten in naher Zukunft ihre Atomparks erneuern.

"Nuklearenergie erfreut sich in den Vereinigten Staaten größten Interesses", jubelt der zuständige Minister Christian Pierret über einen möglichen Großkunden. Er kennt auch den Grund für das Interesse: Kernspaltung trägt nicht zu Treibhauseffekt und Erderwärmung bei. Eine Renaissance der totgesagten Branche erwarten sich die Pariser Strategen auch aufgrund der großen Schwankungen des Rohölpreises.

Um die extrem kostspielige Kernspaltung und die Entsorgung des radioaktiven Mülls zu finanzieren, hat sich Topco einen Trick ausgedacht. Des Konzerns zweites Standbein ist mit STMicroelectronics die zukunftsträchtigere Halbleiterindustrie. Sie soll das nötige Geld in die Kassen holen. Allmählich will sich der Staat schließlich aus einigen Topco-Töchter zurückziehen. Damit wäre die stark subventionierte Branche dazu gezwungen, künftig ökonomische Rationalität walten zu lassen. Auch das wäre eine neue Entwicklung.