"Als Kind war mein Lieblingsplatz das Bett meiner Eltern. Die waren wie riesige Berge. Und ich dazwischen. Und der Körper meiner Mutter war ganz weich."

Der Körper ist eine Heimat. Und solange man sich fortpflanzt, erinnert sich jemand an unseren Geruch.

Christa S. und der Geruch von Lea, drei Jahre, und Lukas, sechs Jahre alt

Lukas und Lea kennen keine Cremes, man hat ihnen die Käseschmiere, diesen Schutzmantel mit dem Kinder auf die Welt kommen, gelassen. Mit diesem Geruch, der ein Überbleibsel aus dem Bauch der Mutter ist, beginnt die innige Verbindung. Nur Erste-Wochen-Wischiwaschi-Wäsche mit Lappen und wenig Wasser. Süß-säuerlich, so riechen Kinder. Lieblingsstellen Kopf, Nacken. Und Füße streicheln, kitzlig; Babys mögen es, wenn man mit ihren Zehen spricht. Beim Zahnen roch der Stuhl nach Rhabarber. Lukas ist ein Heißschläfer, nach kurzer Schlafzeit schon mit feuchtem, saurem Kopf. Es gibt eine Stelle am Bettrahmen hinter dem Kopf, da ist der Lack ab und das Holz rauh vom Schwitzen, riecht man darunter an der Matratze, kommt ein rassiger Geruch. Eingespeichelt!

Die Zweitgeborenen. Lea will noch bei 30 Grad Celsius einen Pulli tragen. Die hat ein anderes Körpergefühl. Und Lieblingsgerüche?

"Die Lavendelpflanze auf dem Balkon. Und Korsika, wie ein Bad in Gewürzen, wenn die Sonne draufhält und die Luft zieht über das Land."

Professor Menzel liest das Gedicht eines arabischen Dichters, 6. Jahrhundert nach Christus, vor.