Drei Jahre nach dem Tod der Freundin veröffentlichte Marie Baum 1950 ihre Ricarda-Huch-Biografie Leuchtende Spur und schrieb darin, die Künstlerin habe in ihrem Leben "nur Wesentliches getan". Dabei hatte "Bäumchen" seit den gemeinsamen Zeiten in Zürich alle Irrungen und Wirrungen hautnah miterlebt, die die Literaturwissenschaftlerin Anne Gabrisch nun versucht hat, aus dem Briefwechsel dieser eigenwillig-schöpferischen Dichterin und Denkerin zu rekonstruieren.

Wer "die Huch" bislang nur vom Eindruck ihres vielgestaltigen, souverän abgeklärt wirkenden OEuvres her kannte ("Die anderen haben ihren Goethe - wir haben unsere Huch!", wurde sie einst gefeiert), ist gründlich überrascht - und tut gut daran, sich für die Lektüre dieser abgründigen Liebesgeschichte mit Marie Baums Diktum zu wappnen.