Er galt als allwissend, doch alle Welt weiß nichts von ihm: Guido da Vigevano, dereinst Leibarzt der Königin Johanna von Frankreich und in der glücklichen Situation, "alle Wissenschaften so zu kennen und zu verstehen, wie es geschrieben steht". Auf diesen Alleswisser wollte König Philipp VI.

nicht verzichten, als er sich 1335 auf einen Kreuzzug ins Heilige Land vorbereitete - ein für damalige Herrscher obligatorisches, da gottgewolltes Unterfangen. Um die Gunst seines Gebieters zu gewinnen, schrieb der gelehrte Dottore aus Pavia dem König ein praktisches Handbuch für den Trip in Gottes Namen.

Guido lief zur Höchstform auf und dachte "Tag und Nacht darüber nach, wie und auf welche Weise das Heilige Land schneller genommen werden kann". Das Ergebnis seiner schlaflosen Nächte war nicht etwa bloß ein Ratgeber mit Gesundheitstipps - der Doktor erfand darin nichts Geringeres als das Automobil.

Unter den Nützlichkeiten für den Heiligen Krieg fanden sich nämlich auch Baupläne und Gebrauchsanweisungen für modernstes Kriegsgerät. Das innovativste Modell war ein 8-Meter-Koloss auf 2,40 Meter großen Holzrädern, angetrieben von der Kraft des Windes. Ausführlich beschreibt Guido, wie dieses altertümliche Windmobil hätte aussehen sollen im Kapitel "über den Bau eines Kriegswagens, der ohne Tiere vom Wind bewegt Schrecken verbreitend durch Felder rast, um ein großes Heer mit wenig Truppen zu verwirren und wie man ihn in Teilen auf Pferden transportiert".

Heutige Berechnungen zeigen zwar die praktischen Grenzen von Guidos kühnen Entwürfen für mittelalterliches High-Tech-Gerät - wäre es zur Bestürmung Jerusalems durch Philipps Truppen gekommen, hätte das Urauto nicht mal die Anfahrt ins Hügelland geschafft. Aber immerhin kam er mit dem ersten Fahrzeug, das nicht auf die Kraft von Zugtieren angewiesen war, Leonardo da Vinci zuvor. Dieser setzte noch 200 Jahre später, beim Erfinden eines Panzerwagens, auf die Muskelkraft kurbelnder Soldaten.

Der Konstrukteur des Windautos dachte keineswegs daran, Segel auf einem Wagen aufzuspannen, wie es die Chinesen möglicherweise schon Jahrhunderte vorher taten. Guido versah das wuchtige Schlachtgefährt mit einem Windmühlenantrieb.

Eine so genannte Turmwindmühle wollte er auf den fahrbaren Untersatz pflanzen und die windgetriebene Rotation der Flügel über eine Reihe von Stangen, Zahnrädern und Getrieben auf die zwei vorderen Antriebsräder übertragen.