Was sind das nur für Wahnsinnsjahre! Börsengang der Telekom arrangiert, Geschäftsessen mit Wall-Street-Brokern, große Mergers eingefädelt. Heute London, morgen New York, dazwischen ein paar Tage im Bürotower in Frankfurt am Main. Ein Leben wie eine Schlagzeile.

Peter Nägele genießt dieses Leben. "Es ist ein gutes Gefühl, Ereignisse mitzugestalten, von denen der Normalbürger nur in der Zeitung liest", sagt der gebräunte 43-Jährige in Polohemd und Jackett. Und zückt seine Visitenkarte. "European Managing Partner" steht da und, in königsblauem Prägedruck, "Clifford Chance Pünder".

Clifford Chance Pünder ist die größte Anwaltssozietät der Welt - ein Zusammenschluss der deutschen Kanzlei Pünder Vollhard Weber Axter mit den Amerikanern Roger & Wells und der britischen Clifford Chance. 2700 Rechtsberater erwirtschaften mit 30 Büros in 19 Ländern einen geschätzten Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar.

In die Welt der großen Geschäfte und schnellen Ortswechsel gelangte Peter Nägele, weil er zu langsam war. Wenn er, der Jurist mit dem Einserexamen, seine Doktorarbeit als Stipendiat am Max-Planck-Institut rechtzeitig fertig bekommen hätte, würde er jetzt wahrscheinlich "für ein BAT-Gehalt die Rechtsfähigkeit nicht ehelicher Lebensgemeinschaften erforschen". So aber kehrte er dem papiernen Wissenschaftsbetrieb den Rücken und verfiel dem Glamour der internationalen Finanzwelt. Er legte das amerikanische Anwaltsexamen ab, arbeitete an der Wall Street und wurde Spezialist für Bankaufsichts- und Kapitalmarktrecht. Das gab ihm Selbstbewusstsein.

"Irgendwie hat man schon das Gefühl, zu einer gewissen Elite zu gehören."

Zu einer Elite, die es, mit diesem Habitus, noch nicht lange gibt. "Wir erschaffen eine neue Art von Anwalt", heißt es in einer Broschüre von Clifford Chance Pünder, "einen, der sich wohl fühlt in einer zunehmend anspruchsvolleren Welt. Den Anwalt der Zukunft." Der Anwalt der Zukunft ist ein Dienstleister, der Mandate akquiriert wie ein Maschinenbauer Produktionsaufträge. Er legt nicht mühsam deutsche Gesetze aus, sondern prüft, welche Regelungen für seine Mandanten international am günstigsten sind.

In seinem Schrank hängt keine Robe, sondern ein Designeranzug. Statt Geschädigte vor Gericht zu vertreten, bastelt er an Immobilienfonds und Übernahmestrategien statt Steuersünder zu verteidigen, hilft er Steuern zu sparen. Und vergisst, dass er, wie es in der Bundesrechtsanwaltsordnung heißt, "ein Organ der Rechtspflege" ist.